Kiel kassiert klatsche: champions-league-traum droht zu platzen

34:26 – die Zahlen brennen sich ins THW-Gehirn. Gummersbach fegt den Meister aus der eigenen Halle, Kiel rutscht auf Rang fünf, und die Königsklasse rückt in weite Ferne.

Domagoj duvnjak: „ein blackout der gesamten mannschaft“

Kurz nach dem Abpfiff steht der Kapitän im Mixed-Zone-Licht, das Gesicht noch rot vom Kampf, die Stimme rau. „Keine Ausrede“, sagt er, ohne nach Luft zu schnappen. „Wir haben in der zweiten Hälfte einfach nicht mehr gespielt.“ Ein 0:7-Lauf nach der Pause, die Gäste wühlen sich durch eine Abwehr, die wie aus Pappe wirkt. Duvnjak schüttelt den Kopf. „Das darf nicht passieren, nicht bei uns, nicht in dieser Arena.“

Trainer Filip Jicha wirkt gealtert um fünf Jahre. Er zählt auf, was fehlte: der Wille, die Cleverness, die Handball-Grundrechnung. „Wir haben im Sechs-gegen-Sechs und im Sieben-gegen-Sechs die einfachsten Dinge vermasselt.“ Die Verletzungsliste liest sich wie ein Katastrophenbericht: Madsen mit Knorpelschaden, Ellefsen á Skipagötu mit Schulter ausgekugelt. „Aber wir sind THW Kiel, wir können nicht auf zwei Spieler hoffen“, sagt Jicha leise.

Gummersbach feiert, sigurdsson schluckt tränen

Gummersbach feiert, sigurdsson schluckt tränen

Auf der anderen Seite schluchzt Gudjon Valur Sigurdsson vor Mikrofonen, die seine isländische Rauheit nicht kennen. „Ich bin fast sprachlos.“ Sein VfL liegt nur noch einen Punkt hinter dem Rekordmeister. „Wir haben hier gewonnen, weil wir an diesen 60 Minuten geglaubt haben – von der ersten Sekunde an.“

Jetzt zählt nur noch Dienstag. Dann fliegt Kiel nach Spanien, zu Irudek Bidasoa Irun. Die Euro-Handball-Hauptrunde beginnt, und ein weiterer Ausrutscher würde die Saison in den Abgrund reißen. Jicha atmet tief durch. „Wir werden uns ins Gesicht schauen, und dann werden wir brennen.“ Die Arena wird wieder voll sein, die Trommeln werden drohnen. Doch zuerst müssen die Zebras beweisen, dass sie noch zubeißen können. Sonst wird der Traum von der Champions League nicht nur wackeln – er wird zerplatzen wie eine Seifenblase im Nordwind.