Ki-autovelox: überwachen sie uns jetzt auch im auto?

London, Sussex und bald vielleicht auch Deutschland? Die australische Firma Acusensus hat mit ihren “Heads-Up”-Autoveloxen eine Debatte ausgelöst, die weit über die reine Geschwindigkeitsüberwachung hinausgeht. Diese Systeme, die bereits in den USA als Beweismittel vor Gericht verwendet wurden, könnten bald auch hierzulande Realität werden – mit potenziell weitreichenden Folgen für unsere Privatsphäre.

Mehr als nur eine geschwindigkeitsanzeige

Die Geräte, die auf den ersten Blick wie herkömmliche Geschwindigkeitsmesser mit Kameras an Masten wirken, sind mit künstlicher Intelligenz ausgestattet. Sie können nicht nur die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs messen und das Kennzeichen erfassen, sondern auch in das Fahrzeuginnere blicken. Das Acusensus Heads-Up-System analysiert Bilder und erkennt dabei, ob der Fahrer sein Smartphone bedient, eine Flüssigkeit (sei es Bier oder ein anderer Alkohol) trinkt, angeschnallt ist oder Anzeichen von Trunkenheit oder Drogenkonsum zeigt.

Die Technologie liest sogar Kennzeichen und sucht diese in Polizeidatenbanken ab, um festzustellen, ob ein Fahrzeug gestohlen oder einem gesuchten Kriminellen gehört. Ein System, das die Möglichkeiten herkömmlicher Blitzer bei weitem übersteigt – und gleichzeitig Fragen nach dem Eingriff in die Privatsphäre aufwirft.

Ein big brother-szenario in unseren autos?

Ein big brother-szenario in unseren autos?

Während in Australien und den USA der Einsatz solcher Systeme relativ unkritisch verlaufen ist, herrscht in Großbritannien großer Aufschrei. Automobilisten kritisieren nicht nur das erhöhte Risiko von Strafzetteln, sondern auch die Möglichkeit, dass die Kameras Gesichter erkennen und so eine umfassende Überwachung der Bevölkerung ermöglicht wird. Die Technologie ist bereits in China im Einsatz und könnte hierzulande den Weg für eine ständige Überwachung ebnen – nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch für Fußgänger und Radfahrer.

Der Knackpunkt liegt in der Ausnutzung der KI. Auch wenn die Kameras nicht direkt Gesichter erfassen sollen, besteht die Gefahr, dass sie dies “versehentlich” tun und die Daten für die Identifizierung von Personen gespeichert werden.

Deutschland: gesetzesmoratorium und rechtliche grauzone

Deutschland: gesetzesmoratorium und rechtliche grauzone

In Deutschland gibt es derzeit ein Moratorium für den Einsatz von Gesichtserkennungstechnologien im öffentlichen Raum. Ein entsprechendes Gesetz wurde bis Ende 2027 verlängert. Theoretisch könnte das Acusensus-System eingesetzt werden, da es nicht direkt Gesichter erfasst. Doch die Praxis sieht anders aus: Ein “versehentliches” Erfassen eines Gesichts und dessen Identifizierung durch die KI wäre bereits ein Verstoß gegen das Gesetz.

Zudem gibt es Präzedenzfälle wie die Safedrive-Autoveloxe, die feststellen können, ob ein Fahrer angeschnallt ist oder sein Smartphone bedient. Diese Geräte dürfen jedoch keine automatischen Strafzettel ausstellen, sondern benötigen immer die sofortige Feststellung durch einen Polizisten.

Die Debatte um die “KI-Autoveloxe” ist noch lange nicht abgeschlossen. Es bleibt abzuwarten, ob und wann diese Technologie auch in Deutschland Fuß fassen wird – und welche Auswirkungen dies auf unsere Privatsphäre haben wird. Die Einführung eines solchen Systems würde einen Umbruch im Straßenverkehr bedeuten und die Grenzen zwischen Sicherheit und Überwachung neu definieren.