Khedira flippt den spielfeld-pass: ab jetzt jubelt er für tunesien

Rani Khedira hat die Karten neu gemischt. Der 32-Jährige von Union Berlin räumt künftig nicht mehr nur in der Bundesliga, sondern auch für die Adler von Karthago. Bundestrainer Jalel Kadri nominierte den Defensivspezialisten für die WM in den USA, Mexiko und Kanada – und macht ihn damit zum Leitwolf eines deutschen Quartetts.

Tunesien setzt auf deutsche liga-power

Khedira führt ein Bündel von vier Bundesliga-Profis an, das die Nordafrikaner auf die Reise schicken. Neben ihm reisen Ellyes Skhiri (Eintracht Frankfurt), Ismael Gharbi (FC Augsburg) und Elias Saad (FC Augsburg, ausgeliehen an Hannover 96) mit. Alle vier kennen sich aus englischen Wochen, engen Abstiegskämpfen und Europapokal-Playern – genau die Mentalität, die Tunesien braucht, wenn es gegen die Niederlande, Schweden und Japan in Gruppe F um den Achtelfinaleinzug geht.

Der Wechsel ist eine kleine Sensation. Noch im vergangenen Herbst hatte Khedira einen Verbandswechsel abgelehnt. Dabei hatte ihn Ex-Bundestrainer Hansi Flick vor vier Jahren in den Perspektivkader berufen, ein Länderspiel für Deutschland blieb aber Makulatur. Dreizehn Einsätze in deutschen Junioren-Auswahlen stehen als Fußnote in seinen Akten. Der Durchbruch kam im März: Debüt gegen Haiti, zwei Tage später 90 Minuten gegen Kanada. Michael Hefele, deutscher Co-Trainer im tunesischen Staff, half, die letzten Fragenzeichen auszuräumen.

Khedira bringt die richtige reife

Khedira bringt die richtige reife

Union-Coach Nenad Bjelica schwärmt seit Monaten von Khediras Spielintelligenz: „Er liest Lücken, bevor sie entstehen.“ Genau diese Vorhersagegabe fehlte Tunesien bei der letzten WM in Katar. Das Team schied mit nur einem Punkt aus der Gruppe aus. Kadri will den Schnitt nach vorne: „Wir brauchen Spieler, die sofort reagieren, wenn der Gegner umschaltet.“ Khedira passt ins Raster.

Die Stunde der Wahrheit schlägt am 17. Juni in Houston gegen die Niederlande. Dann wird sich zeigen, ob der Berliner Abräumer auch auf dem größten Büttener der Welt die Zweikampfquote von 58 Prozent halten kann, die ihn in dieser Bundesliga-Saison zu einem der sichersten Balleroberer macht. Sollte er gegen Schwedens Mittelfeld um Kulusevsvki und gegen Japans Turbo-Kombination mit Ito bestehen, winkt das Achtelfinale. Für Khedira wäre es das erste K.o.-Spiel seiner Nationalkarriere – und für Tunesien die erste Runde der 16 seit 2006.

Die Botschaft ist klar: Wer in der Bundesliga besteht, kann auch die Welt bändigen. Für Rani Khedira beginnt jetzt die zweite Halbzeit seiner Karriere – mit einem neuen Pass und einem alten Ziel: gewinnen.