Kenia versinkt im doping-dreck: albert korirs fünfjährige sperre ist nur die spitze

Die Leichtathletik-Welt schaut wieder nach Nairobi – und schüttelt den Kopf. Albert Korir, Sieger des New-York-Marathons 2021, fliegt für fünf Jahre raus. EPO in der Probe, die AIU kennt keine Gnade. Der 31-Jährige ist kein Einzelfall, er ist das 141. kenianische Mitglied im Doping-Club seit 2017.

Das muster ist kein zufall

Korir lief 2:06:57 in der Bronx, kassierte 100.000 Dollar Preisgeld und gab danach Interviews über „harte Arbeit und Gottes Segen“. Dabei hatte er längst ein Chemielabor im Körper. Die AIU fand Erythropoetin in einer Out-of-Competition-Probe vom vergangenen August. Die Sperre gilt rückwirkend bis Oktober 2024, seine Karriere ist so gut wie tot.

Die Nachricht kommt, während sich das Anti-Doping-Büro in Nairobi wie eine Bahnhofshalle anfühlt. Erst Mitte März meldete die nationale Agentur 27 vorläufige Suspendierungen – darunter Rita Jeptoo, einst Queen von Boston und Chicago. Im Herbst folgte Ruth Chepngetich, die Weltrekordlerin, drei Jahre wegen Test-Manipulationen. Die Liste der Gestrandeten liest sich wie ein Who-is-Who der Langstrecke.

Kenias system versagt auf ganzer linie

Kenias system versagt auf ganzer linie

Seit 2017 verzeichnet die AIU mehr als 140 Fälle aus Kenia – kein anderes Land kommt auch nur in die Nähe. Das ist keine Pechsträhne, das ist Struktur. Die Trainingslager am Rift Valley sind längs durchsetzt von dubiosen „Beratern“, die für 200 Dollar monatlich EPO-Spritzen organisieren. Die Kontrollen vor Ort sind so lückenhaft wie ein Netz mit zerschnittenen Maschen. Wer Geld hat, zahlt sich frei; wer nicht, wird zum Sündenbock.

Der Weltverband World Athletics drohte bereits mit Ausschluss von WM und Olympia, das Olympia-Komitee zog Förderungen zurück. Doch die Drohungen wirken wie Papiertiger. Korirs Fall zeigt: Selbst ein Top-Star, der in New York über die Fifth Avenue jubelte, glaubte, unantastbar zu sein. Die Wahrheit liegt im Blutröhrchen des Laborversands.

Was bleibt, ist ein ganzer sport

Was bleibt, ist ein ganzer sport

Fans fragen sich legitimerweise, ob sie künftig jeden Kenianer mit Argus-Augen betrachten müssen. Die Antwort ist bitter: Ja. Denn solange die nationale Regierung die Anti-Doping-Gesetze nicht verschärft und die AIU keine unangekündigten Nacht-Kontrollen in Iten und Eldoret durchführen kann, bleibt das Narrativ dieselbe – nur die Namen wechseln.

Die Uhr tickt. In knapp 18 Monaten steht der Marathon in Los Angeles auf dem Programm. Ohne Korir, ohne Jeptoo, ohne Chepngetich. Die Betroffenen werden als „schwarze Schafe“ abgetan, doch die Herde ist längst gefährlich groß. Die Leichtathletik muss sich fragen, ob sie ein ganzes Land vor den Auswurf schiebt oder endlich das System zerschlägt, das diese Schafe produziert.