Kempes schlägt zurück: maradona vor messi – aber der copa kann alles ändern
Mario Kempes trägt kein Trikot mehr, nur noch die Erinnerung an ein Sommermärchen von 1978, das eine ganze Nation tröstete. Im New Yorker Morgenlicht, 71 Jahre alt, lacht er und packt aus: Diego vor Lionel – Stand jetzt. „Wenn Messi diesmal erneut die Copa holt, reden wir noch mal.“
Der könig von ’78 schaut nach vorn
Kempes sitzt im MetLife Stadium und hat Mexiko gegen Südafrika gerade live gesehen. Die Beine ruhen, der Blick nicht. „Diese Argentinien ist reifer, aber auch drei Jahre älter. Die Frage ist nicht, ob sie noch zaubern kann – sondern wie oft in acht Spielen.“ Seine Analyse ist nüchtern: Scaloni habe damals eine Trümmermannschaft geerbt und nur drei Veteranen behalten – Messi, Di María, Otamendi. Der Rest? Weg. „Erstaunlich, wie schnell sie wieder Weltmeister wurden.“
Gleichzeitig mahnt er: der Turniermodus sei härter. „Früher reichten sieben Partien, heute acht. Die Knochen merken das.“

Lautaro versus julián – das dilemma
Kempes kennt das Gefühl, allein vor dem Tor zu stehen. Er sieht Lautaro Martínez als „klassischen Neuner, wie Luque bei uns 1978. Nicht immer schönn, immer gefährlich.“ Julián Álvarez hingegen „läuft sich frei wie ein Zehner, hilft im Mittelfeld mit.“ Eine Rotation sei logisch – „aber gegen Druckteams braucht man Lautaros Präsenz im Strafraum.“
Die Kritik an Lautaros Formkurve lässt Kempes kalt: „Torjäger leben von Phasen. Er hat beim Inter bewiesen, dass er Tore erzwingt, auch wenn er mal drei Spiele trocken bleibt.“

Messi, minuten und die letzte chance
Messi mit 39? „Noch hungrig, aber die Uhr tickt“, sagt Kempes. Er erinnert an Island 2018: „Rein in der 70., zwei Tore, Vorlage, Elfmeter – fertig ist die Show.“ Scaloni werde die Last verteilen müssen. „Vielleicht beginnt er mal auf der Bank, vielleicht wird jede Einwechslung zum Statement. Aber glauben Sie mir: wenn er aufläuft, denkt keiner mehr an das Alter.“
Die gegner und das afrikanische gespenst
Die Liste der Konkurrenten ist kurz und klar: Frankreich („vier Finalteilnahmen, zwei Titel“), Spanien („neu erfunden nach 2010“) und Brasilien natürlich. Dazu packt Kempes noch Portugal und England. „Und dann wartet irgendwann ein afrikanisches Team, das alle Platt macht.“ Er lacht schrill: Kamerun 1990, Saudi-Arabien 2022 – „die erste Partie ist die gefährlichste.“
Italien? „vergessen – und das tut weh“
Als ehemaliger Valencia-Stürmer verfolgt Kempes auch Europa. Bei Italia zuckt er zusammen: „Das schlimmste Kapitel ihrer Geschichte. Kein Turnier, keine Generationalwende – weder in der Squadra noch im Verband. Das Catenaccio war einmal Stärke, heute Blockade. Sie brauchen eine Revolution, keine Wiederholung der alten Namen.“
Endstation 19. juli – oder weiter?
Das Finale im MetLife Stadium am 19. Juli? Kempes zuckt die Achseln. „Ich bin kein Hellseher. Aber ich weiß: ab den Achtelfinals zeigt sich, wer wirklich will. Und falls Argentinien dann noch dabei ist, könnte Messi die Debatte über sich selbst beenden.“
Er steht auf, zieht die blaue Sonnenbrille tiefer über die Augen und murmelt: „Sind wir Weltmeister, reden wir 2026 über Lionel. Sind wir es nicht, bleibt Diego der Maßstab.“ Mehr muss er nicht sagen – die Copa schreibt das Skript neu.
