Kawasaki rast in taxi: zwei junge menschen sterben in mailand

4:03 Uhr, Samstag, Kreuzung viale Campania/viale Corsica: eine Kawasaki Ninja 650 rast in einen Taxi, explodiert in einem Feuerwerk aus Carbon und Stahl. Mithum Sandeepa Perera Kuranage, 23, und Elisa Teodora Dranca, 20, sind sofort tot. Der 61-jährige Taxifahrer rollt mit gelbem Code ins Niguarda – sein Fahrzeug landet auf dem Dach, Tramhaltestelle 15 Meter weiter.

Warum das rotlicht allein nicht die wahrheit erklärt

Die Polizia Locale hat die Dashcams der Stadtbussen und zwei Ringfassungen gesichert. Erste Bilder zeigen, dass die Kawasaki mit mindestens 110 km/h in den Kreuzungsbereich einflog – 70 erlaubt. Der Ampelzyklus wechselte 1,2 Sekunden vor dem Aufprall von Gelb auf Rot. Kuranage wäre also noch durchgewunken gewesen, hätte er Tempo 50 gehalten. Stattdessen setzte er nach, um die Gelbphase zu erwischen. Das Taxi rollte bereits bei Grün an.

Die Staatsanwaltschaft Mailand hat die Fahrzeuge und die beiden Carbon-Helme beschlagnahmt. Materialermüdung? Bremsdefekt? Die Gutachter prüfen, ob das Motorrad serienmäßig bleibt oder getunt wurde. Ein erstes Datenblatt des Herstellers liegt vor: Die Ninja 650 bringt 67 PS auf die Waage, serienmäßig begrenzt auf 190 km/h. Die Reifen waren neu, der Fahrer seit 18 Monaten im Besitz des A-Scheins.

Die stunde nach dem knall

Die stunde nach dem knall

Sanitätshelfer der 118-Leitstelle waren nach 90 Sekunden vor Ort, doch die Herzen der beiden jungen Leuten standen bereits still. „Wir haben 27 Minuten reanimiert, dann kam der Arzt mit dem Todestag“, sagt Notarzt Lucia Gerosa. Die Kreuzung war bis 9 Uhr gesperrt, die Linie 23 fuhr über Umleitung, zwei Bars am viale Corsica mussten die Terrassen räumen. Zeugen berichten von quietschenden Reifen, dann einem dumpfen Knall „wie ein Schlag auf einen Ölfass“.

Die Familien reisen an: Kuranages Eltern fliegen von Perugia, Drancas Mutter kommt mit dem Regionalex aus Lodi. Die Polizei hat ihnen die persönlichen Gegenstände übergeben: ein zerkratztes iPhone, eine Plastikkarte der Università Pavia, ein Schlüsselanhänger mit Pelzmäuschen. Die Stadt Mailand hat Kerzen und Blumen auf das Tramgleis gelegt – ein improvisiertes Memorial, das Instagram-Storys füllt.

Was der unfall über mailands nachtverkehr verrät

Was der unfall über mailands nachtverkehr verrät

In den vergangenen fünf Jahren starben in der Metropolregion Mailand 18 Motorradfahrer bei Rotlichtunfällen nach 22 Uhr. Die Zahl klingt gering, doch sie verdoppelte sich seit 2019. Die Stadt verweist auf neue Ampelsteuerungen, die seit Januar nachts länger Grün für Hauptstraßen zeigen – um Lärmschutz zu umgehen. Kritiker wie Verkehrsclub Lega Ambiente fordern temporäre Blitzer: „Wer um vier Uhr morgens Gas gibt, weiß, dass ihn keiner filmt.“

Der regionale Radiosender Radio 24 zitiert interne Zahlen der Verkehrspolizei: 62 % der tödlichen Motorradkollisionen in Mailand geschehen zwischen 0 und 5 Uhr, 41 % an Kreuzungen mit verlängerter Gelbphase. Die Botschaft ist klar: Wer nachts fährt, spielt russisches Roulette mit dem Zeitfenster.

Die Unfallrekonstruktion läuft, ein Gutachten steht für Juni an. Für die Angehörigen bleibt die Frage, warum zwei Menschen mit dem Rest ihres Lebens eine Sekunde zu spät kommen mussten. Die Antwort steht auf Asphalt geschrieben – und auf einem Dashcam-Chip, der nie eine Entschuldigung erfassen wird.