Kathleen nord: vom olympia-gold zur tragischen krankheit – ein leben im schatten der ddr
Eine schwimmerin im rampenlicht
Am 24. Februar 2022 verlor die deutsche Sportwelt eine ihrer einstigen Größen: Kathleen Nord. Die ehemalige Schwimmerin der DDR feierte in den 1980er Jahren als Teenager ihren Aufstieg zur Weltspitze und krönte ihre Karriere mit Olympia-Gold. Doch nur vier Jahre nach ihrem erfüllten Neubeginn im Leben riss eine schwere Krankheit sie viel zu früh aus dem Leben. Ihr Weg war geprägt von Triumphen, aber auch von den Schatten des politischen Systems, in dem sie sportlich heranwuchs.

Der aufstieg zur weltklasse
Kathleen Nord, geboren am 26. Dezember 1965 in Magdeburg, wurde bereits in der zweiten Klasse durch eine Schulsichtung entdeckt. Sie durchlief das DDR-Leistungssportsystem und zeigte früh außergewöhnliches Talent. 1982 sorgte sie mit einer Silbermedaille bei der WM in Guayaquil (Ecuador) über 400 Meter Lagen international für Aufsehen. Es folgten in den darauffolgenden Jahren drei Europameistertitel und 1986 der WM-Titel in Madrid über die Lagendistanzen.

Seoul 1988: der größte erfolg
Vor den Olympischen Spielen in Seoul wechselte Nord zum Schmetterlingsstil – eine Entscheidung, die sich als Volltreffer erwies. 1987 und 1989 gewann sie weitere EM-Siege in Straßburg und Bonn über 200 Meter Schmetterling. Der Höhepunkt ihrer Karriere war jedoch 1988 in Seoul: Dort holte sie die Goldmedaille und trug maßgeblich dazu bei, dass die DDR bei den Spielen den zweiten Platz im Medaillenspiegel erreichte, vor den USA und weit vor der Bundesrepublik Deutschland.
Politische zwänge und systemdoping
Der Weg an die Spitze war für Nord mit großem Druck und strenger Disziplin verbunden. Ihre Eltern waren nicht Mitglied der SED, was ihre Karrierechancen beeinflusste. Sie fühlte sich gezwungen, durch sportlichen Erfolg ein privilegiertes Leben zu erreichen. Später kamen die dunklen Seiten des DDR-Sports ans Licht: Systematisches Doping, das auch Nord betraf, wie Untersuchungen der Aktivistin Brigitte Berendonk zeigten. Auch die politische Instrumentalisierung war früh spürbar.
Der boykott von los angeles und innere zerrissenheit
Als die DDR 1984 die Olympischen Spiele in Los Angeles boykottierte, verteidigte die damals 18-jährige Nord in einer TV-Pressekonferenz die Linie der Staatsführung. Doch im Nachhinein gestand sie, dass der Boykott des heiß ersehnten Großereignisses die „schwerste Zeit ihrer Karriere“ war, wie ihr ehemaliger Erfolgscoach Bernd Henneberg später berichtete. Die Zerrissenheit zwischen sportlichem Ehrgeiz und den politischen Vorgaben war enorm.
Ein neues leben in den usa
Nach der Wiedervereinigung wanderte Nord in die USA aus. Der Anstoß kam von ihrer Rivalin und Freundin Biggi Lohberg, die bereits dorthin gezogen war. Auch die Einstellung ihres Studiengangs an einer ostdeutschen Universität spielte eine Rolle. Unter dem Namen Kathleen Feldvoss, nach ihrer Heirat mit dem Ex-Schwimmer und Mathematikprofessor Jörg Feldvoss, studierte sie in Florida Marketing, arbeitete als Trainerin und bekam vier Töchter. Zwei ihrer Töchter, Emily und Laura Feldvoss, schwammen ebenfalls.
Rückkehr und tragischer tod
2013 kehrte Kathleen Feldvoss nach Deutschland zurück und engagierte sich auch hier als Trainerin. Am 24. Februar 2022 starb sie im Alter von nur 56 Jahren an einer schweren Krankheit. Ihr Leben war ein Spiegelbild der deutschen Geschichte und ein eindrucksvolles Beispiel für die Herausforderungen und Tragödien, die mit dem Leistungssport im Schatten der DDR verbunden waren. Sie wird als eine der größten Schwimmerinnen Deutschlands in Erinnerung bleiben.
