Karl zwingt nagelsmann in die knie – drei bayern-stars bangen um wm-ticket
Lennart Karl hat mit zwei Kurzeinsätzen gegen die Schweiz und Ghana Julian Nagelsmann um den Verstand gebracht. Der Joker vom FC Bayern dürfte im Sommer nach Amerika fliegen – während drei prominente Kollegen auf dem Boden der Tatschaften landen.
Die bayern-halbzeit im dfb-kader: pavlovic, tah und kimmich sind erste klasse gebucht
Als wäre es ein Freundschaftsspiel im April, spaziert der Trainer durch die Kabine und verteilt die Tickets. Aleksandar Pavlovic fehlt zwar verletzt, aber sein Platz ist längst reserviert. Jonathan Tah hat die Innenverteidigung fest im Griff, und Joshua Kimmich wird rechts hinten eingespannt – ob er will oder nicht. Nagelsmann mag es, wenn seine Leitwölfe flexibel sind. Die Frage ist nur, wie lange der Kapitän noch pfeift, bevor ihm die Puste ausgeht.
Die Umfunktionierung Kimmichs öffnet Tür und Tor für Leon Goretzka. Der 30-Jährige sitzt in München meist auf der Bank, in der Nationalelf darf er wieder bestimmen. Nagelsmann schätzt dessen Laufwege, seine Kopfbälle, seine Erfahrung. Goretzka selbst sagt nichts, er muss auch nicht – seine Statistik spricht: zehn Länderspiele in Folge, kein einziger verloren.

Flügelflitzer gnabry und die überraschung karl
Serge Gnabry braucht sich ebenfalls keine Gedanken zu machen. 20 Torbeteiligungen in 34 Pflichtspielen, dazu ein Traumtor gegen die Schweiz. Wenn er fit ist, fliegt er. Punkt. Spannender wird es bei Lennart Karl. Der 21-Jährige kam beide Male in der 63. Minute – und beide Male drehte das Spiel. Nagelsmann schwärmt: „Er braucht keine Anlaufzeit, er wirkt, als wäre er schon immer hier.“ Ein Satz, der in der Leistungsdiagnostik mehr wiegt als jede InStat-Zahl. Karl hat den Bundestrtrainer dort, wo er ihn braucht: in der Erinnerung.

Die verliererseite: urbig, musiala und bischof
Hinten raus wird es ruppig. Jonas Urbig flog mit Knieproblemen heim, muss nun mit Finn Dahmen vom FC Augsburg um den dritten Torwartplatz kämpfen. Dahmen ist gesund, hat Saison-Routine – und Nagelsmann liebt Spielpraxis. Urbig kann nur hoffen, dass Manuel Neiner in der Vorbereitung einen Schritt daneben tritt. Illusion? Vielleicht. Aber Torhütergeschichten schreiben sich nun mal im Unvorhersehbaren.
Jamal Musiala bangt mit dem eigenen Knöchel. Das Sprunggelenk pocht, der Rhythmus fehlt. Nagelsmann hatte ihn schon einmal wegen „100 Prozent“-Defizit zu Hause gelassen – diese Hürde ist geblieben. Musiala muss jetzt jeden Tag beweisen, dass er schmerzfrei sprintet. Die Uhr tickt. Noch acht Wochen bis zum Abflug.
Am abgehängtesten ist Tom Bischof. Der 19-Jährige kam in München nur, weil andere fielen. Seine Minuten sind Rotation, keine Revolution. In der Hierarchie stehen Florian Wirtz, İlkay Gündoğan und Pascal Groß vor ihm. Selbst wenn er trifft, wird man sagen: schön, aber wann spielte er 90 Minuten unter Druck? Die Antwort lautet: noch nie.
Die Entscheidung fällt am 15. Mai. Dann sitzt Nagelsmann vor der Presse und liest 26 Namen auf. Wer bis dahin nicht gespielt hat, muss zittern. Wer gezeigt hat, dass er Spiele drehen kann, darf packen. Lennart Karl hat seine Visitenkarte abgegeben – und liegt damit vorn. Die anderen haben noch acht Wochen, um den Zug zu erwischen. Oder ihn zu verpassen.
