Karina schönmaier jagt stuttgart-titel vor em-jagd in zagreb
Karina Schönmaier steht
in der Porsche-Arena auf dem Plakat, das reicht ihr noch nicht. Die 20-Jährige will dieses Wochenende den DTB-Pokal erobern, bevor sie den Rest der Saison nach Zagreb und Rotterdam stürmt.Vom doppel-europameisterin zum werbegesicht
Seit Leipzig 2025 ist ihr Alltag ein Spiegelkabinett: Kameras, Interviews, Selfie-Wünsche. „Ich bin kein TikTok-Star, ich bin Turnerin“, sagt sie, während sie am Rand der Matte das Pflaster von den Fingern zieht. Die Heim-EM hatte sie mit Gold auf Boden und Stufen zum Nationalhelden gemacht, Stuttgart ist der erste Test, ob der Ruhm lastet oder treibt.
Donnerstagabend lieferten die Männer die Generalprobe, Samstag abend tritt sie mit dem Mixed-Team an. „Ich will nicht nur die Show sein, ich will die Show bestimmen“, sagt sie knapp. Die Übung ist fertig, die Landung noch nicht. Das weiß sie.

Helen kevric fehlt – und bleibt thema
Die Geschichten um Stuttgart bleiben komplex. Helen Kevric, einst das nächste große deutsche Talent, trainiert mittlerweile halbtags in Italien. Ihr Kreuzbandriss von Leipzig hält sie fern, der Skandal um den Stützpunkt hält die Szene wach. Bundestrainer Gerben Wiersma bestätigt: „Ihr Fokus ist Zagreb, aber sie muss sich selbst wieder finden.“ Aimee Boorman, die US-Trainerin, die man holte, um Vertrauen zurückzubringen, ist wieder weg – Vertrag bis 2028 hin oder her. Der DTB schweigt zu den Details.
Die Konsequenz: Ein Startplatz in Stuttgart bleibt leer, dafür wird Schönmaier noch stärker beobachtet. 24 Nationen sind gemeldet, die Arena ist ausverkauft, und alle fragen sich, ob die Bremerin Last und Lücke gleichzeitig füllen kann.

Die echten ziele liegen im herbst
Stuttgart ist kein Endpunkt, sondern ein Frühwarnsystem. Zagreb (19.–23. August) und Rotterdam (25. Oktober–1. November) sind die Termine, die in ihrem Kalender rot markiert sind. „Jeder Sprung hier muss sitzen, sonst wird er im Oktober sitzen“, sagt sie. Die Code-Naht ist eng: Ein Ausrutscher am Barren kostet Zehntel, die sich bei der WM in ganzen Plätzen niederschlagen.
Sie kennt die Zahlen: 0,3 Punkte Durchschnitt fehlten in Leipzig auf den All-Around-Titel. „Das sind zwei Handballen auf dem Boden, nicht mehr“, sagt sie. Deshalb trainiert sie zweimal täglich, einmal nachts mental: Sie legt sich die Routines in 3-D-Brillen vor, bis die Landung auf dem Teppich in ihrem Kopf schon Staub wirbelt, bevor sie überhaupt abspringt.
Am Sonntag steht das Podest fest. Dann fliegt sie zurück nach Bremen, lässt das Poster in Stuttgart zurück und nimmt die Bilder mit – als Erinnerung daran, dass der Ruhm nur so laut ist wie der nächste Sprung. Und der kommt in Zagreb. Dort will sie nicht mehr nur das Gesicht der EM sein, sondern deren Königin.
