Kahn zieht durch die talkshow-zone: hoeneß und rummenigge sollen endlich abtreten

Oliver Kahn hat in der Sky-Sendung „Triple – der Hagedorn-Fußballtalk“ den Aufsichtsrat des FC Bayern mit einem Satz aufgelöst: „Das Ganze zieht sich jetzt viele, viele Jahre hin. Und gefunden hat man ja jetzt scheinbar immer noch niemanden.“ Mit „man“ meint er Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Die beiden Granden hatten jahrzehntelang das Ruder in der Hand, versprachen einen sauberen Rückzug, sobald Nachfolger bereitstehen – doch die Deadline schieben sie seit Jahren vor sich her.

„Schneckentempo“ statt saison-endspurt

Kahn kennt die Codes des Klubs. Er war selbst Vorstandschef, bis ihn die Machtfrage im Mai 2023 mit einem Klatschen aus dem Amt beförderte. Jetzt sitzt er auf der anderen Seite des Mikrofons und lacht nicht mehr. „Die Machtübergabe geht immer noch im Schneckentempo voran“, sagt er und spitzt die Lippen, als würde er ein Foul an der Mittellinie begutachten. Die Ironie: Gerade er galt einst als Aspirant auf die Königsklasse der Führung, doch stattdessen wurde er selbst abgeschossen, während Hoeneß und Rummenigge im Aufsichtsrat verharren.

Die Antwort der beiden auf Kritik ist ein Mantra: „Wir ziehen uns zurück, wenn der Klub optimal aufgestellt ist.“ Kahn kontert mit einem Seitenhieb: „Man hört dann: Wir werden uns irgendwann zurückziehen, wenn die richtigen Leute gefunden sind.“ Das „irgendwann“ wird zur Leerstelle, die jedes Jahr größer wird.

Zwischen lob und seitenstoß

Zwischen lob und seitenstoß

Doch Kahn ist kein reiner Revanchist. Er lobt die Mannschaft, die er einst mit aufgebaut hat: „Ich habe den FC Bayern selten so stark gesehen, wie sie im Moment auftreten, nicht nur in der Bundesliga, auch international.“ Die Maschine läuft wie ein Uhrwerk, sagt er, und das meint ernst. „Du kannst im Grunde spielen lassen, wen du willst – und die Qualität fällt kaum oder teilweise gar nicht ab.“ Das Kompliment wirkt wie ein Faustschlag in Samthandschuhen: Die Spieler sind bereit, die Führung nicht.

Ob der FC Bayern „easy“ Champions-League-Sieger wird? Kahn schiebt einen Schluck Wasser, dann die Bauchlandung: „So ist es nicht.“ Aber, sagt er, „im Moment ist es für mich die beste Mannschaft in Europa, wie sie Fußball spielt.“ Die Botschaft: Die Spieler liefern, die Bosse liefern nicht – zumindest nicht die versprochene Räumung des Chefsessels.

Worum es wirklich geht: kontrolle statt kohle

Worum es wirklich geht: kontrolle statt kohle

Der Streit ist kein Streit um Geld oder Titel, sondern um Macht. Hoeneß und Rummenigge kontrollieren noch immer strategische Entscheidungen, obwohl sie längst nicht mehr im Tagesgeschäft stehen. Kahn hat das Drehbuch schon einmal mitgeschrieben und weiß: Wer den Aufsichtsrat kontrolliert, kontrolliert die Nachfolge. Die Versprechungen, sich zurückzuziehen, sind ein Tontauprogramm, das sich jedes Jahr wiederholt.

Die Causa Kahn ist damit zur Causa Bayern geworden: Ein Klub, der sich selbst als „Familie“ inszeniert, ringt mit seiner DNA. Die Frage ist nicht, ob Hoeneß und Rummenigge gehen, sondern wann sie endlich loslassen. Kahn hat den Countdown gestartet – und die Uhr tickt lauter als je zuvor.