Juve versenkt 875 millionen und blickt jetzt auf 270-millionen-elf der verpassten talente

Manchmal kostet ein Transfer mehr als Geld – er kostet die Zukunft. Juventus Turin hat in den vergangenen sechs Jahren fast 875 Millionen Euro in neue Profis gesteckt und dafür höchstens Rang drei kassiert. Jetzt zeigt sich: Die echten Gewinner tragen andere Trikots.

Die next-gen-bank wurde geplündert – und liefert jetzt die rechnung

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Die Rechnung ist so einfach wie brutal: Zwölf Ausgliederungen, 120 Millionen Ablöse, heute 270 Millionen Marktwert. Hinter den Zahlen stecken Namen, die einst als reines Kapital galten, um Lukaku-, Pogba- oder Chiesa-Deals zu finanzieren. Dean Huijsen versenkte jüngst Real Madrid mit einem Traumtor, Radu Dragusin ist in der Premier League plötzlich 40 Millionen wert, Matías Soulé zauberte in Rom mit 10 Scorerpunkten – alles Juve-Leihgaben oder abgegebene Talente.

Die Methode war klar: Ein 19-Jähriger wurde in den zweiten Laden geschoben, die plusvalenza schmeckte kurzfristig in der Bilanz. Die Folge: Die erste Mannschaft stagnierte trotz Rekordeinkäufen, während die verkauften Jungs anderswo die Kurve kratzen. Kaio Jorge etwa kostete einst 21 Millionen Ablöse, ging für einen Apfel und ein Ei nach Florenz – und schoss dort in 22 Partien zwölfmal ein. Nicolò Fagioli, ehedem Bankdrücker, ist heute fest in der A-Nationalmannschaft verankert.

Die ironische Spitze des Eisbergs: Ein Drittel der heutigen Marktwerte würde die Transferplus-Rechnung der Juve in einem Sommer ausgleichen. Stattdessen arbeitet Sportdirektor Cristiano Giuntoli mit dem Brecheisen an der Schuldenbremse, während Fans auf Twitter die #RimpiantiXI trenden lassen.

Die Lehre aus Turin ist keine akademische: Geld schießt keine Tore, wenn die eigene Akademie als Geldautomat missbraucht wird. Wer Talente nicht mit Geduld, sondern mit Kasse vermessen hat, darf sich nicht wundern, wenn die Meisterschaft woanders gefeiert wird. Die 270-Millionen-Elf der Verpassten führt die Tabelle der moralischen Gewinner an – und Juve? Mühte sich gerade mit einem 0:0 gegen Empoli ab.