Juve jagt senesi: nach nein zu mancini kommt der argentinier ablösefrei
Der Transfer, der vor zwei Jahren noch undenkbar war, rückt näher. Marcos Senesi, 27, der Roberto Mancini damals ein „Nein, ich fühle mich nicht italienisch“ entgegnete, steht bei Bournemouth vor dem Aus – und die Juventus hat die Fühler ausgestreckt. Ab Juli ist der Innenverteidiger ablösefrei, die Bianconeri wollen zuschlagen, beil der Markt erwacht.
Warum die juve genau jetzt handeln muss
Senesi liefert die Antwort auf ein Jahrzehnteproblem: einen linkshändigen, spielstarken Verteidiger, der die Abwehrkette asymmetrisch macht und trotzdem die Linie hochziehen kann. Seit Chiellinis Abschied sucht Turin nach dieser Profil, jetzt kommt es mit einem Pass italiano daher – und mit Premier-League-DNA. 31 Einsätze in der laufenden Saison, 2,1 Kopfballgewinne pro 90 Minuten, 87 Prozent Passquote im eigenen Drittel. Zahlen, die Cristiano Giuntoli und Paolo Montero aufhorchen lassen.
Der Knackpunkt: Senesis Vertrag läuft aus, Inter und Milan lauern. Die Konkurrenz schaltet erst im Juni hoch, die Juve aber treibt das Tempo voran. Interne Berechnungen sehen ein Gesamtpaket von rund 3,5 Millionen Euro Jahresgehalt plus leistungsabhängiger Boni – ein Schnäppchen gegenüber den 20 Millionen, die Bournemouth 2022 für ihn an Feyenoord zahlte.

Vom rugbyplatz in san lorenzo ins azzurri-desaster
Senesi wuchs mit Rugby und Basketball, was seine räumliche Orientierung und Sprungkraft erklärt. Beim San Lorenzo entdeckte er den Fußball, wurde zum besten Abwehrspieler der Eredivisie gekürt, stieg in der Elftal-Kabine der Albiceleste ein. Dass er Mancinis Anruf ausschlug, war in Argentinien ein Eigentor – hierzulande ein Segen. Denn nun darf er ohne italienische Staatsbürgerschaft in Serie A auflaufen, die Juve spart einen Non-EU-Platz für andere Ziele.
Der Plan: Senesi soll neben Bremer die linke Seite sichern, Danilo rückt nach rechts. Das System von Massimiliano Allegri lebt von einer flexiblen Dreierkette, in der der Argentinier sowohl Deckungsschicht als auch erste Pressinglinie übernehmen kann. Ein Spieler, der das Mittelfeld entlastet und gleichzeitig die Angriffslinie früher starten lässt.
Der Zeitplan ist eng. Bereits Ende März will die Juve ein Vorabangebot unterbreiten, um Bournemouth zu signalisieren: Wir nehmen eure Gehaltslast, wir sichern euch eine Ablöse, wenn ihr jetzt mitspielt. Der Verein aus dem Süden Englands steht vor dem Abstiegsgeschehen, interne Quellen sprechen von einem „Win-win-Szenario“. Für Senesi heißt es: Turin oder London – die Entscheidung fällt binnen vier Wochen.
Ein Nebenschauplatz ist die Pass-Frage. Die italische Staatsbürgerschaft liegt in der Schublade, doch Senesi will sie nicht vorziehen, solange seine Mutter in Buenos Aires auf die endgültige Einbürgerung wartet. Ein Detail, das die Verhandlungen verzögern könnte – oder die Juve noch schneller macht, beil Inter mit einem Doppelpass lockt.
Am Ende zählt ein Fakt: Die Juve bekommt einen Abwehrspieler, der in der Lage ist, Spiele mit einem einzigen diagonalen Pass zu öffnen – und der bereit ist, in einem Sommer, der den neuen Juve-Zyklus einläutet, das Risiko zu tragen. Wer einmal Mancini eine Absage erteilt hat, fürchtet sich auch vor der Curva Sud. Die Rechnung geht auf – oder sie explodiert im Allianz Stadium. Für Senesi steht fest: Italien ruft – diesmal wird er nicht auflegen.
