Justin gull flüchtet aus winterthur: arosa schlägt zu und schnappt sich top-scorer

Winterthur verliert innerhalb von Tagen zwei Schlüsselspieler – und das kurz vor dem Abstieg in die MyHockeyLeague. Justin Gull packt die Koffer, Nicolas Warmbrodt ist bereits weg. Der Exodus hat begonnen.

Der 24-jährige Stürmer unterschrieb sofort bei den Bündnern, die damit ihre Angriffsreihe um einen erfahrenen Swiss-League-Routinier erweitern. Gull lieferte in der abgelaufenen Saison 42 Einsätze, 12 Punkte, drei Tore – keine Bombe, aber solide. Die Zahl, die Arosa überzeugte: Seine 87 Schüsse aufs Tor, nur zwei Teamkollegen trafen öfter das Gehäuse.

Warum gull jetzt springt – und winterthur den kopf schüttelt

Intern kursiert die Rechnung: Wer in der höchsten Farm-Liga weniger als 0,3 Punkte pro Spiel holt, wird nicht gehalten. Gull lag knapp drüber, trotzdem zog er den Stecker. Der Grund liegt in der drohenden Zwangsrelegation. „Wenn du weißt, dass nächstes Jahr nur noch MyHockeyLeague auf dem Zettel steht, suchst du dir Alternativen“, sagte ein Vereinsinterner vor zwei Wochen bereits anonym. Jetzt ist es raus.

Arosa dagegen feiert sich. Mit Warmbrodt und Gull kommen zwei Spieler, die den Klassenerhalt in der Swiss League sichern sollen. Trainer Sascha Thiel sprach von „einer Verpflichtung mit Signalwirkung“. Gemeint ist: Wir sind kein Abstiegskandidat, wir sind der Klassenprimus im Aufbau.

Die Ausbildung des Flügelstürmers begann bei den ZSC Lions, ging über EV Zug, führte ihn nach Schweden und zurück in die Schweiz. Dort sammelte er Erfahrung auf kleiner Eisfläche, lernteschnelles Umschalten und harte Verteidigung. Genau das will Arosa: kein Zuckerbäcker-Hockey, sondern ein Pressing, das Gegner in den Wahnsinn treibt.

Winterthur droht der kollaps – schon sieben abgänge

Winterthur droht der kollaps – schon sieben abgänge

Die Liste derer, die den Klub verlassen, wächst täglich. Neben Gull und Warmbrodt verabschiedeten sich bereits fünf weitere Akteure. Sportchef Michael Zehnder schiebt die Schuld auf „strukturelle Neujustierung“. Klingt nach Sparen. Klingt nach Spätsommer mit leeren Rängen.

Für Arosa bedeutet der Coup mehr als nur personelle Verstärkung. Es ist ein Machtwort gegen die drohende Abstiegszone. Mit 17 Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz ist die Lage zwar nicht dramatisch, aber nach dem Motto: lieber früh zupfen, als später jammern.

Die Verträge sind bis 2026 datiert, mit Option auf Verlängerung. Gulls Gehalt soll sich laut Bündner Medien auf 85.000 Franken belaufen – ein Schnäppchen im Vergleich zu Swiss-League-Durchschnitt. Dafür bekommt Arosa einen Spieler, der in der vergangenen Saison 73 % seiner Bullys gewann und in der Defensive plus/minus +4 holte – auf einem Abstiegskandidaten.

Die Message lautet: Wer jetzt nicht aufspringt, wird überrannt. Winterthur steht am Scheideweg, Arosa drückt aufs Gas. In zwei Wochen beginnt das Trainingslager. Dann zeigt sich, ob Gulls Transfer tatsächlich der Startschuss für eine neue Ära ist – oder nur ein Notpflaster auf einer sinkenden Mannschaft.

Fakt ist: Wer in der Swiss League schläft, wird geweckt. Und wer geweckt wird, verliert oft mehr als nur zwei Punkte.