Juri hollmann: vom schweren unfall zum comeback-traum
Ein Massensturz, ein Straßenschild und die blanke Angst um das Leben – Radprofi Juri Hollmann hat im Giro d’Italia eine Hölle erlebt. Jetzt kämpft er sich zurück, getrieben von einem Kindheitstraum und dem unbändigen Willen, das Radfahren wieder zu lieben. Ein exklusives Gespräch über Schmerz, Zweifel und die Hoffnung auf eine zweite Chance.
Der moment, der alles veränderte
Es ist fast unbegreiflich, wie schnell sich das Leben ändern kann. Für Juri Hollmann war es der 30. August 2025, ein Tag, der für immer in seinem Gedächtnis bleiben wird. Beim Giro d’Italia kam es auf der sechsten Etappe zu einem verheerenden Massensturz, bei dem er mit nahezu 70 Kilometern pro Stunde gegen ein Straßenschild prallte. „Der Tag ist extrem klar in meinem Kopf“, erinnert sich Hollmann. „Ich erinnere mich noch, dass ich einen Sturz mitbekommen habe und dadurch merkte, wie rutschig es ist.“
Was folgte, war ein Kampf ums Überleben. Zertrümmerte Becken, ein gebrochener Arm und eine lebensbedrohliche Lungenembolie – die Verletzungen waren schwerwiegend. Die ersten 48 Stunden im Krankenhaus waren ein Albtraum, geprägt von Schmerz und Unsicherheit. „Wir waren mit den Schmerzmitteln am Limit, aber es hat nicht ausgereicht“, so Hollmann.

Die rückkehr zum leben – und zum rad
Doch Hollmann gab nicht auf. Er kämpfte sich zurück, Tag für Tag, Trainingseinheit für Trainingseinheit. Die Reha war hart, die Fortschritte mühsam. „Anfangs war es fast gar nicht möglich, das rechte Bein anzusteuern“, erzählt er. Aber der Wille war stärker als die Schmerzen. „Ich werde dieses Jahr auch die Trainerausbildung abschließen. Es ist jetzt also nicht so, als wüsste ich sonst gar nicht, was ich machen soll.“
Jetzt steht das Comeback bevor. Hollmann träumt von Rennen, von der Tour de France, von der Freude am Radfahren. „Mein Kindheitstraum war immer die Tour – und das ist auch immer noch mein Traum“, sagt er. „Aber das ist natürlich ein extrem großes Ziel, das aktuell extrem weit entfernt ist.“
Seine Mutter, die ihn während seiner schweren Zeit eng begleitet hat, teilt seine Hoffnung, ist aber auch voller Sorge. „Sie wünscht sich für ihr Kind nur das Beste. Dass ich glücklich bin“, so Hollmann. Ein Gefühl, das er immer wieder sucht, wenn er wieder auf dem Rad sitzt und die Geschwindigkeit spürt.
Die Gravel-Rennen, die er jetzt fährt, sind mehr als nur eine Vorbereitung – sie sind ein Symbol für seinen unbändigen Willen und seine Leidenschaft für den Sport. Denn eines ist klar: Juri Hollmann ist noch lange nicht fertig mit dem Radsport. Er wird alles dafür geben, seinen Traum zu verwirklichen und zu zeigen, dass selbst nach dem dunkelsten Moment ein neuer Anfang möglich ist.
