Junge eishockeyspieler: wer setzt wirklich auf die talente?
Die National League scheint in eine Zwickmühle zu geraten: Während die Debatte über den Einsatz junger Spieler immer wieder aufkocht, zeigen die Zahlen ein überraschend uneinheitliches Bild. Einige Klubs krempeln ihre Strategie um, während andere weiterhin auf bewährte Kräfte setzen – mit fragwürdigem Erfolg. Eine Analyse der vergangenen fünf Spielzeiten offenbart deutliche Unterschiede in der Förderung junger Talente.
Die schlusslichter: lugano und rapperswil
Am Ende der Skala steht der HC Lugano. Die Bianconeri haben in den letzten fünf Jahren kaum auf U-20-Spieler gesetzt, obwohl Cyrill Henry in dieser Saison mit 18 Jahren immerhin 18 Einsätze sammeln konnte. Ein Umstand, der sich jedoch kaum auf das Gesamtbild auswirkt. Auch der SC Rapperswil-Jona Lakers hinkt hinterher – die jungen Spieler kommen hier selten über die 37 Minuten Eiszeit pro Saison hinaus. Ein Fakt, der durch die Verpflichtung älterer Spieler, die noch weiterentwickelt werden sollen, zusätzlich relativiert wird.

Das mittelfeld: ambri-piotta und ajoie
Der HC Ambri-Piotta profitiert in dieser Saison von der starken Leistung im Vorjahr, als die jungen Spieler insgesamt 830 Minuten Eiszeit auf dem Eis verbringen durften. Nathan Borradori konnte sich in die erste Mannschaft spielen. Der HC Ajoie hingegen setzt seit dieser Saison wieder verstärkt auf U-20-Spieler, nachdem man in den vorherigen Jahren eher sparsam damit umgegangen war. Die fehlenden Nachwuchsteams in der Region Jura schlagen jedoch zu – die Qualität ist einfach nicht mit anderen Klubs vergleichbar.

Die spitze: zug und biel – vorbilder der nachwuchsförderung
Der EV Zug setzt weiterhin konsequent auf junge Spieler und führt die Liste mit deutlichem Abstand an. Gian Menzi und Co. sammeln wertvolle Erfahrungen in der National League. Die durchschnittliche Eiszeit der U-20-Spieler liegt bei beeindruckenden 6:36 Minuten pro Spiel. Auch der EHC Biel-Bienne investiert stark in die Jugend und hat mit Niklas Blessing einen Shootingstar hervorgebracht. Der junge Stürmer absolvierte fast 670 Minuten Eiszeit und ist damit der U-20-Spieler mit den meisten Einsätzen in dieser Saison.

Kloten – ein warnendes beispiel?
Der EHC Kloten, der seit seinem Aufstieg immer für eine starke Nachwuchsarbeit bekannt war, scheint in dieser Saison einen Wandel vollzogen zu haben. Die U-20-Spieler kamen erstmals seit dem Aufstieg auf weniger als 100 Minuten Eiszeit. Ein Ansatz, der sich sportlich offenbar nicht bewährt hat – die Mannschaft rang in der Tabelle nach unten. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wer auf die Jugend setzt, muss auch bereit sein, ihr Vertrauen zu schenken und ihr die Chance zu geben, sich zu beweisen.
Die Entwicklung in den letzten fünf Jahren zeigt: Die Nachwuchsförderung in der National League ist längst kein Selbstläufer mehr. Während einige Klubs auf junge Talente setzen und damit langfristig erfolgreich sind, verpassen andere die Chance, sich für die Zukunft zu rüsten. Die kommende Saison wird zeigen, ob sich dieser Trend fortsetzt – oder ob ein Umdenken stattfindet.
