Julian buchele hält jeden zweiten wurf – und will jetzt die großen angreifen

Ein Schwabe schlägt ein, dass selbst die Bundesliga-Liga aufhorcht: Julian Buchele parierte beim 26:23 von Frisch Auf Göppingen gegen Eisenach jeden zweiten Feldwurf, katapultierte seine Mannschaft aus dem Tabellenkeller und sich selbst ins Rampenlicht.

Warum das plötzlich funktioniert

Vor sechs Wochen stand Göppingen noch mit dem Rücken zur Wand, jetzt spricht der 23-jährige Eigengewächs vom „großen Fisch“, den er und seine Kollegen noch erlegen wollen. Die Rede ist von TBV Lemgo, heute Abend, live und in Farbe. Dort, wo die Lipper erst zweimal verloren haben, will Buchele den dritten Sieg gegen die Champions-League-Anwärter verhindern.

Die Zahlen sind schonungslos: Das Hinspiel endete 33:26 für Lemgo, Buchele saß damals noch auf der Bank. Seit er zum Stammtorhüter aufgestiegen ist, kassierte Göppingen im Schnitt nur noch 23,4 Tore pro Spiel – vorher waren es 29,1. Die Abwehr steht tiefer, die Kreisläufer kommen später zum Wurf, und Buchele? Der liest die Bälle wie Comics.

„Wir sind stabiler, das hilft mir“, sagt er, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Videoanalysten berichten, dass Buchele die Gegner schon während des Anwurfs kategorisiert: Linkshand, Dreher, Fallwurf – und positioniert sich, bevor der Schütze den ersten Schritt macht. Gegen Eisenach hatte er zwölf Paraden, zwei Siebenmeter gestoppt, einen Ball im Kreuz gespart, der laut Statistik 99-prozentig war.

Deutschlands neue torwart-dynastie

Deutschlands neue torwart-dynastie

Während sich der Fußball fragt, warum kein Manuel Neuer mehr aus dem Süden kommt, produziert der Handball nach: Andreas Wolff (35) hält für Kiel die Champions League fest, David Späth (23) erobert sich bei den Löwen die Starting-Six, und jetzt also Buchele. Bundestrainer Alfreð Gíslason hat Lasse Ludwig (23) aus Berlin bereits für die Länderspiele gegen Ägypten nominiert – Buchele ist nächster Kandidat.

„Ich will nicht nur dabei sein, ich will Spiele entscheiden“, sagt er. Das klingt nach Angeberei, ist aber Fakt. Seine Quote von 37 Prozent gehaltenen Bällen wäre Liga-Top, wenn er genug Einsatzzeiten hätte. Jetzt hat er sie. Und er nutzt sie, um internationale Marken zu studieren: Mikael Appelgren (Magdeburg), Emil Nielsen (Lemgo), beide stehen auf seiner Liste. „Jeder hat eine Schwäche, man muss sie nur finden.“

Heute Abend trifft er auf Lemgos Ivan Slis, einen der effizientesten Rückraumschützen der Liga. Slis traf in den letzten fünf Spielen 29-mal aus 31 Versuchen. Buchele lacht: „Dann ist ja genug Material da.“

Warum göppingen plötzlich nach oben schielt

Warum göppingen plötzlich nach oben schielt

Trainer Markus Baur hat die Defensive auf eine 5-1-Variante umgestellt, die den Kreis früzer doppelt und die Außenbahnen freigibt. Riskant – aber mit Buchele im Kasten kalkulierbar. Seit der Umstellung holte Göppingen zehn von zwölf Punkten, rutschte vom Relegationsplatz auf Rang zehn. Jetzt sind es nur noch drei Zähler bis zur Europacup-Quali. „Wir schauen nach oben“, sagt Buchele, und meint damit nicht den Himmel, sondern die Tabelle.

Am 4. Mai kommt der SC Magdeburg, der amtierende Pokalsieger, nach Göppingen. Buchele hat sich den Termin rot im Kalender angestrichen. „Die haben den besten Angriff der Liga. Wenn wir die schlagen, trauen wir uns alles zu.“ Klingt nach Angeberei, ist aber Plan.

Live läuft das Spiel heute ab 18:30 Uhr auf SportBild.de, kostenlos, ohne Login. Buchele wird nicht zuschauen – er wird stehen, springen, fliegen. Und wenn er wieder jeden zweiten Ball wegfaustet, dann ist Göppingen nicht nur aus dem Gröbsten raus, sondern mitten drin im Rennen um Europa. Die Liga hat einen neuen Helden. Er kommt aus dem Schwäbischen, trägt Nummer 16 und hat gerade erst angefangen.