Jorge martín zittert vor glück: austin-podest war für ihn unvorstellbar
Ein zweiter Platz, der wie ein Sieg schmeckt. Jorge Martín stand nach dem MotoGP-GP der Amerikas mit zitternden Knien auf dem Podest, das linke Armgelenk „zerstört“, wie er später gestand. Der Madrilene hatte in Austin nicht damit gerechnet, überhaupt um den Sieg mitzufahren. Die Realität sah anders aus: Start von außen, perfekte erste Runde, dann ein Thriller mit fast-Sturz und vier Podestplätzen in Serie. „Ich kam hierher und dachte: Top-5 wäre schon ein Traum“, sagte er gegenüber DAZN. „Dass ich am Ende hinter Bezzecchi die Flagge sehe, macht mich stolzer als mancher Sieg.“
Ein start wie aus dem lehrbuch, ein zwischenspiel voller gefahr
Martín riss sich in der ersten Kurve an der Außenlinie vorbei an Bagnaia und Acosta, warf sich an die Hinterrad-Räder des unaufhaltsamen Bezzecchi und spielte sich warm. Drei Runden lang schob er die Aprilia seines Gegners, dann kam der Moment, der seine Saison hätte beenden können. „Ich wollte Pedro überholen, hab das Limit überschritten, das Hinterrad tanzte, mein Fuß rutschte unter die Felge. Ich lag fast auf dem Asphalt.“ Statt zu crashen, atmete er durch, ließ einen halben Meter Abstand und fand neuen Speed. Was danach passierte, nennt er „Glück und Familiengebet im Takt von 300 km/h“: Bezzecchi erwischte einen Windstoß, wechselte die Linie, Martín schlüpfte durch und jagte allein Richtung Ziel.
Die letzten zwei Runden schaltete er den Selbsterhalt-Modus. „Linkes Armgelenk weg, rechte Hand krampft, aber ich dachte an meinen Großvater, der von oben zusieht. Da zieht man nicht den Handbremshebel.“ Er quetschte noch einmal 0,4 Sekunden heraus, rettete die 20 Punkte und verschob die Meisterschaftsrechnung. Ducati-Topmann Gigi Dall'Igna nickte vom Kasten – ein Warnsignal an Aprilia, dass die Reise nach Europa ein anderer Kaliber kommt.

Ducati wird zurückschlagen, jerez könnte die normalität bringen
Martín schickt sich nicht an, den zweiten Welttitel vorzuprogrammieren. „Ich bin realist. In Jerez wird sich zeigen, wo jeder wirklich steht. Ducati bringt neue Aerodynamik, neue Motoren, neue Flügel. Dann geht’s um Zehntelsekunden, nicht um Glück.“ Die Statistik spricht für ihn: Seit Valencia 2023 hat er acht Podeste in neun Rennen geholt. Doch die Aprilia-Top-Speed-Schwäche auf den Geraden von Barcelona, Mugello und Silverstone kennt er. „Meine Aufgabe ist es, Punkte zu sammeln, wenn’s geht – fünfter, achter, Hauptsache Ziel. Der Herbst ist meine Zeit.“
Die Verletzung am Arm wird ihm keine Pause erlauben. Physio Javi wartet mit Eis und Elektroden, bevor die Charter-Maschine Richtung Spanien startet. „30 Tage bis Jerez. Ich werde schlafen, Pokémon mit meinem Neffen spielen und jeden Tag eine Runde im Kreis meiner Großeltern drehen – die beten so laut, dass es in Austin zu hören war.“
Er lacht, aber der Blick bleibt scharf. Mit 56 Punkten führt er die WM an, die Meisterschaft ist längst keine Einbahnstraße mehr. „Ich hab mehr erreicht, als ich für 2024 erträumt hätte. Jetzt darf ich die Katze im Sack nicht loslassen.“
