Joachim und uli hebel packen aus: mit 13 und 11 verwaist – wie sport sie rettete
13 und 11 Jahre alt, zwei Monate zwischen Vaters Krebsdiagnose und Tod, 18 Monate später auch Mutter weg. Für Joachim und Uli Hebel war 1999 Schluss mit Kindheit. Jetzt, 25 Jahre danach, liefern die Sky-Kommentatoren in „Hoffentlich haben die TV im Himmel“ die Story, die sie nie erzählten.
Ein versprechen als druckverstärker
Gotelind Hebel, 49, streckt die Hand aus, kurz bevor sie am 26. März 2002 stirbt. „Nutzt das Potenzial in euch“, sagt sie. Kein Trost, sondern Auftrag. Die Jungen verstehen: Wer trauert, verliert. Wer läuft, gewinnt. Also laufen sie. Fußballtraining um sieben, Basketball in der Pause, Schule dazwischen, Nachtdienst im Supermarkt, um die Miete zu zahlen. Joachim: „Nach dem 13. Geburtstag war jeder Tag ein Test.“
Die Sportplätze werden Flucht und Familie zugleich. Dort gibt es klare Regeln, kein „Wenn“ oder „Aber“. Ein 0:2 ist ein 0:2, egal ob Vater tot oder lebendig. Uli: „Der Ball lügt nicht. Der zeigt dir sofort, ob du dich verborgen oder rangelegt hast.“

Im tv angekommen, aber stumm
Der Ehrgeiz frühter Waisen trägt sie bis nach Doha, Rom, München. 2023 sitzt Uli mit 35 als jüngster deutscher Kommentator im Stadion von Istanbul, Champions-League-Finale. Joachim postet ein Foto, schreibt: „Ich hoffe, die haben TV im Himmel.“ Kein Hashtag, keine Erklärung. Die Zeile bleibt im Raum, bis heute.
Dahinter steckt ein Pakt: Nie wollten die Brüder als „die Armen mit den toten Eltern“ gelten. Joachim: „Wir haben die Trauer runtergeschluckt, damit niemand auf die Idee kommt, uns zu bemitleiden.“ Also schuften sie sich durchs Redaktionspraktikum, nehmen jede Nachtschicht, lernen Akzentfreiheit statt Therapie. Erst jetzt, mit Buch und 40 Jahren auf dem Buckel, wagen sie den Blick zurück.
Der preis heißt: keine sicherheit
Die Lektion, die sie mit ins Studio nehmen, ist simple und brutal. Uli: „Doppelten Boden gibt’s nicht. Ich vertraue nur zwei Leuten: mir und meinem Bruder.“ Das macht sie schnell, manchmal zu schnell. Kollegen erzählen, dass Uli selbst nach einem 8:0-Sieg noch Notizen macht, weil „der nächste Fehler eh kommt“. Joachim moderiert bis heute mit leiser Stimme, als könne das Spiel jeden Moment abgebrochen werden.
Das Buch kostet 22 Euro, aber die Rechnung dahinter ist nicht aufzulösen: zwei Eltern weniger, dafür tausende Stunden Live-TV. Wer fragt, ob sich das aufwiegt, bekommt keine Antwort, nur einen Satz. Joachim: „Wir haben gewonnen, weil wir verloren haben.“
Der Rest ist Sport. Und der lügt, wie gesagt, nie.
