Jessica keiser beendet karriere: das letzte kribbeln wurde zur achterbahn
Die Schweizer Slalom-Dominatorin Jessica Keiser hat mit dem letzten Weltcup-Tor von 2023/24 nicht nur die Saison abgeschlossen, sondern auch ein persönliches Kapitel für immer verriegelt. Nach Julie Zogg undLadina Caviezel verabschiedet sich nun die 32-jährige Nidwaldnerin – und lässt die Konkurrenz um den Slalom-Thron erstmals seit zwölf Jahren ohne sie zurück.
Ein foto, ein startsignal, ein film im kopf
Was folgte, war kein klassisches Karriereende mit Rede und Blumenstrauß, sondern eine Instagram-Story voller Herzklopfen. „Ein letztes Mal dieses Kribbeln am Start“, schreibt Keiser unter das Bild, das sie im Starthaus zeigt. „Im Ziel zu wissen, dass es vorbei ist – das ist ein Tag voller Emotionen.“ Die Formel klingt einfach, doch dahinter steckt ein Jahrzehnt, in dem sie 137 Weltcup-Rennen fuhr, sieben Podestplätze holte und sich zweimal in die Top-10 der Gesamtwertung skierte.
Die Entscheidung war längst gereift, der Abschied fällt trotzdem schwer. „Es gehen mir so viele Gedanken durch den Kopf“, gibt sie zu. Was niemand außerhalb des Teams sah: Die vergangene Saison war mehr Kampf als Fahrt. Eine Knie-Reizung im November, ein Sturz in Zagreb, dazwischen die Quarantäne-Isolation vor der WM in Méribel. Keiser fuhr mit Schmerzpflaster statt mit Selbstvertrauen – und lieferte trotzdem zwei Top-6-Platzierungen ab.

Der slalom verliert seine dauerbrennerin
Mit ihrem Rückzug verabschiedet sich eine Läuferin, die die kleine Schweiz in der großen Nation der Schneekönnerinnen immer wieder sichtbar machte. Sponsoren verlässt sie nicht komplett: In Zukunft wird sie als Co-Trainerin im Nachwuchs-Kader eingesetzt und betreut die Technik-Gruppe um die 17-jährige Livio Häfliger. „Ich will zurückgeben, was ich gelernt habe“, sagt sie. Die Piste bleibt ihr Arbeitsplatz – nur eben ohne Startnummer.
Für die Weltcup-Organisatoren heißt das: Die Startliste verliert eine Marke. Keiser war eine der wenigen Athletinnen, die in jedem Slalom seit 2015 an den Start ging – egal ob Schnee, Eis oder Dauerregen. Ihre Konstanz war ein stiller Kontrapunkt zur Rotations-Elite um Mikaela Shiffrin. Ohne sie wird das Feld jünger, aber auch lauter. Denn Keisers Stärke war nicht nur die Technik, sondern die Ruhe, die sie ins Starthaus brachte.
Die Saison 2024/25 beginnt in wenigen Monaten in Sölden. Wer dort Startnummer 7 trägt, steht noch nicht fest. Sicher ist nur: Die Nummer wird nicht mehr an Jessica Keiser vergeben – und das Kribbeln am Start wird künftig jemand anderes spüren.
