Jena demontiert erfurt im pokal-krimi: 10 tore, laser-störung, 9:7 vom punkt
Das Thüringer Derby im Landespokal-Halbfinale war kein Spiel, das man einfach so vergisst. Zehn Tore in 120 Minuten, zwei Eigentore, eine Laser-Attacke, ein Debütant, der mit seinem ersten Treffer die Verlängerung rettet – und am Ende ein Elfmeterschießen, das die Nerven blank legte. Carl Zeiss Jena zieht nach dem 9:7 im Penalty-Krimi ins Endspiel ein, Rot-Weiß Erfurt bleibt mit leeren Händen und dem Gefühl zurück, hier etwas verschenkt zu haben.
Der erste akt: ein blitzstart mit hang zur selbstzerstörung
Die erste Halbzeit war ein offener Schlagabtausch. Justin Schau schob nach 180 Sekunden zum 0:1 ein, Maxime Awoudja glich per Strafstoß aus, Kevin Lankford schraubte die Führung wieder auf 1:2 – und das alles innerhalb von zwölf Minuten. Die Abwehrreihen wirkten wie eingeladen, nicht eingeladen. Obed Ugondu drehte sich kurz vor der Pause zum 2:2 ein, doch Lankford nutzte erneut die RWE-Schlafmützen zum 2:3-Pausenstand. Wer in dieser Phase noch auf Taktik setzte, hatte das Spiel nicht verstanden: Es ging ums pure Adrenalin.

Zwischen kabinen-gerede und laserpointer-chaos
Nach dem Seitenwechsel schalteten beide Teams kurz herunter – bis Til Schwarz per Kopfball die 3:3-Erlösung markierte. Sören Reddemann leitete mit einem Eigentor das 4:3 für Erfurt ein, doch Nicolas Wähling biss sich mit einem direkten Freistoß in der 88. Minute zurück. Die Verlängerung brachte das nächste Drama: Ben-Luca Moritz lenkte ein Zuspiel unhaltbar zum 4:5 ins eigene Tor, Boipelo Mashigo krönte sein Debüt mit dem 5:5-Ausgleich. Dazwischen: eine Spielunterbrechung, weil grüne Laserpunkts über den Rasen irrten – ein Moment, der später noch zählen sollte.

Die neun-meter-lotterie und das bittere ende für awoudja
Im Elfmeterschießen wechselte sich Treffer mit Patzer. Awoudja, der in der Partie noch sicher verwandelt hatte, schoss diesmal an den Pfosten; Raphael Assibey-Mensah scheiterte an der Latte. Jena blieb konstant: Neunmal trat man an, neunmal zappelte das Netz. Als Wähling – eben noch Retter in der regulären Spielzeit – den letzten Ball versenkte, explodierte der Gästeblock. 2.000 Jenaer feierten, als wäre der Pokal schon in der Tasche. Auf der Gegenseite standen 15.000 Erfurter in betäubtem Schweigen, die sich fragten, wie ein Derby mit so viel Leidenschaft so enden konnte.
Für Jena geht es am 24. Mai gegen ZFC Meuselwitz um den Titel – und womöglich um ein Ticket für den DFB-Pokal. Für Erfurt bleibt die Erkenntnis, dass Spektakel allein noch keinen Sieg bringt. Die Zahlen des Abends: 10 Tore, 2 Eigentore, 18 verwandelte Elfmeter, 1 Laser-Zwischenfall, 0 Gewinner auf der Seite der Hausherren. Die Bilder dieses Krimis werden in Thüringen noch lange kursieren – und jedem Spieler im Kopf nachhallen, wenn er das nächste Mal vom Punkt anläuft.
