Jena brennt, leipzig fliegt: frauen-bundesliga spaltet sich in licht und schatten

Carl Zeiss Jena ist kein Schritt, sondern ein Sprung vom Absturz entfernt. Das 1:1 gegen RB Leipzig brennt wie Salz in einer Wunde, die schon länger blutet. Elf Punkte nach 22 Spielen, kein einziger Heimsieg – das ist keine Krise mehr, das ist ein Freifall.

Die zahlen, die jena erdrücken

Die Thüringer haben 13 Gegentore in den letzten fünf Partien kassiert, dabei nie mehr als einen Treffer erzielt. Gegen Leipzig reichte Isabella Jarons Freistoßkracher in der 81. Minute, um das Gesicht zu wahren – nicht mehr. Die Rothosen spielten seit der 63. Minute in Unterzahl, weil Felicia Sträßer mit Gelb-Rot vom Platz musste. Doch selbst mit einer Frau mehr verpasste Leipzig den Sack. Lisa Baum traf früh, danach verpuffte der Druck. Der Punkt reicht Leipzig trotzdem: Ein Sieg in den letzten vier Spielen, und der Klassenerhalt ist perfekt.

Leipzigs siegesserie versteckt die brüche

Leipzigs siegesserie versteckt die brüche

Sieben Spiele ohne Niederlage klingen nach Machtdemonstration. Doch schaut man genauer, war nur eines davon ein Dreier gegen ein Team oberhalb des Strichs. Die Tore fallen spät, die Chancenverwertung ist die drittschlechteste der Liga. Trainerin Saban Uzun schönt es: „Wir haben die Jugend auf dem Feld, das Tempo kommt zurück.“ Der Tabellenzweite der Vorrunde ist längst Geschichte, Rang acht ist aktuell das realistische Ziel.

Jena indes schielt nach unten. Der Vorsprung des FC Köln auf dem Relegationsplatz beträgt vier Zähler, das Spiel weniger ist schon gespielt. Die nächsten Gegner: Frankfurt, Wolfsburg, Bayern. Es riecht nach Endspiel im Trainingslager, nicht nach Bundesliga.

Was bleibt, ist die frage nach dem warum

Was bleibt, ist die frage nach dem warum

Die Infrastruktur in Jena ist neu, der Kader jung, der Etat stabil. Trotzdem wirkt das Team wie auf Feldstoß. Kästner spricht von „kleinen Schritten“, doch die Tabelle macht kein Geschenk. Leipzig andererseits kann mit dem sicheren Klassenerhalt planen, obwohl die Tordifferenz nur bei minus 3 liegt. Die Liga spiegelt sich in diesen beiden Klubs wider: oben Dauerdruck, unten Dauerkrach.

Am 30. Spieltag, am 17. Mai, wird in Jena die Rechnung präsentiert. Entweder steht dort ein Wunder – oder ein Abschied ohne Happy End. Leipzig wird an dem Tag wahrscheinlich schon wieder im Mittelfeld feiern. Die Frauen-Bundesliga trennt sich gerade in zwei Welten: eine, die nach Europa blickt, und eine, die schon nach der Sommerpause in der 2. Liga spielt.