Jena bremst dynamo aus – meistertraum lebt trotz pyro-chaos

Kurz vor 17 Uhr stand der Ernst-Abbe-Sportfeld unter Qualm, aber die Punkte bleiben in Thüringen: FC Carl Zeiss Jena schlägt den BFC Dynamo 2:1 und nagelt sich zwei Spieltage vor Schluss auf zwei Zähler an Spitzenreiter Lok Leipzig heran. Der Sieg schmeckt trotz aller Schärfe nach Zitronengesicht – er war schmeichelhaft, laut, unterbrochen und trotzdem goldwert.

Pyro-knall stoppt derby für zehn minuten

Die Gästefans hatten den Anschlusstreffer von Leander Fritzsche gerade noch gefeiert, da knallte es im Block hinter dem Tor. Schiedsrichter Luis Riedelpfeift Spieler und Betreuer in die Kabine, setzt die Uhr still. Zehn Minuten lang steht nur Rauch im Strafraum, während Ordner mit Pyro-Körben jonglieren. Die Drohung steht: „Nächster Vorfall, Spielabbruch.“ Die Jenaer Anhänger pfeifen, die Berliner singen – das Ost-Duell kocht auf Sparflamme weiter.

Doch genau dieses Nebengeräusch hat Jena die Ruhe geraubt. Vor der Unterbrechung wirkte der FCC wie auf Sparflamme, danach verwaltete er das Ergebnis gegen einen BFC, der mindestens einen Punkt verdient gehabt hätte. John Liebelt traf nur die Latte (3.), Lloyd Kuffour legte traumhaft auf, doch Fritzsches Volley landete nur zum 1:2 im Netz.

Burmeister und eshele nutzen berliner patzer

Burmeister und eshele nutzen berliner patzer

Die Tore erzählen die Geschichte von Dynamos Saison: Ein zu kurzer Rückpass, ein verlorener Zweikampf, ein verpennter Zweikampf. Timon Burmeister stieg nach Wählings Sirup-Flanke unbedrängt hoch (32.), Manasse Eshele profitierte von einem Stellungsfehler und schob locker zur vermeintlichen Vorentscheidung ein (50.). Die Berliner liefen an, pressten, doch Jena hielt dagegen – wenn auch mit zittrigen Knien.

Trainer Volkan Uluc schwor seine Profis nach Abpfiff auf dem Rasen ein: „Wir haben Herz gezeigt, mehr nicht. Aber manchmal reicht Herz.“ Die Zahlen sprechen für sich: Jena kassierte in den letzten fünf Partien nur zwei Gegentore, holte dagegen 13 Punkte. Die Defensive trägt den Traum, nicht das Spielvergnügen.

Lok leipzig patzt – saisonfinale wird endspiel

Lok leipzig patzt – saisonfinale wird endspiel

Während die Jenaer sich in der Kabine mit Wasser bewaffnen, erreicht sie die Nachricht aus der Messestadt: Lok Leipzig verliert gegen BFC Preussen mit 0:1. Die Lücke schmilzt auf zwei Punkte. Am letzten Spieltag gastiert Jena beim bereits geretteten VfB Krieschow, Leipzig muss nach Lichtenberg – ein Vergleich auf Biegen und Brechen.

Die Fans diskutieren schon jetzt über ein mögliches Play-off, doch Uluc bremst: „Erst schlafen, dann rechnen.“ Für Dynamo bleibt der Kampf gegen den Abstieg ein Spagat zwischen sportlicher Leistung und Randale. Trainer Christian Bickel atmet trotzdem durch: „Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können. Wenn wir diese Leistung mitnehmen, bleiben wir drin.“

Der FCC feiert seinen 14. Heimsieg, die Ost-Kurve skandiert „Wir holen den Titel“, doch der Pokal steht noch in Leipzig. Eines ist sicher: Das Finale wird laut, eng – und vielleicht wieder unterbrochen.