Jannik fischer verlässt die bühne mit blutiger nase und erhobenem mittelfinger

Die Schlusssirene war noch nicht einmal verklungen, da stand Jannik Fischer bereits ohne Helm an der Bande, das Trikot zerrissen, die Lippe aufgeplatzt, und schrie dem Gegner ins Gesicht, was er von ihm hält. Das war kein Abschied, das war eine Kampfansage an die ganze Liga.

35 Jahre, 672 NL-Spiele, drei Nationalteam-Einsätze – und am Ende eine Prügelei mit Miles Müller, die beide vorzeitig unter die Dusche schickte. Die HC Ajoie hatte soeben das letzte Play-out-Spiel gegen Ambri-Piotta verloren, 0:4 in der Serie, und mit dem Abstieg droht dem Haudegen die letzte Chance zu entfallen, je wieder in der National League aufzulaufen.

Ein karriereende, das perfekt zu ihm passt

Ein karriereende, das perfekt zu ihm passt

Fischer war nie der, der eleganten Kombinationen nachjagte. Seine DNA bestand aus Check, Cross-Check, Nachschlag. In Zug lernte er, dass Talent allein nicht reicht, in Lausanne, dass Geld nicht alles ist, und in Ambri, dass man auch mit 1,85 m und 92 kg ein Team tragen kann. Beim HC Ajoie wurde er zur Identifikationsfigur, weil er genau das verkörpert, was der Klub aus dem Jura ausmacht: Arbeit, Wut, Underdog.

Die Statistik wird ihm 39 Punkte in 672 Spielen bescheinigen. Was sie nicht zeigt: Die Gegner schauten immer erst, wo Fischer steht, bevor sie die Scheibe in die Zone trugen. Die Frage war nie, ob er zur Party kommt, sondern wann er die erste Faust wirft.

Jetzt hängt seine Zukunft an einem Wörtchen: Sierre. Wenn das Walliser Team Meister wird und die Liga-Qualifikation entfällt, ist Schluss. Kein letztes Heimspiel, keine Standing Ovations, nur das Foto, wie er mit blutender Nase vom Eis stapft. Sollte Sierre scheitern, bekommt Ajoie eine letzte Chance, und Fischer würde noch einmal auflaufen – wahrscheinlich mit neuen Stichen im Gesicht und dem selben Grinsen.

Der Verteidiger selbst schwieg nach dem Spiel. Kein Instagram-Post, kein «Danke, Jungs», nichts. Stattdessen postete ein Fan ein Handy-Video, wie Fischer in der Kabinengasse steht, die Hand zur Faust geballt, und brüllt: «Wir kommen wieder, verdammt noch mal!» Ob als Spieler oder als Zuschauer, bleibt offen.

Die Liga verliert mit ihm eines ihrer letzten Originals. Kein Instagram-Star, kein Power-Play-Genie, sondern ein Typ, der morgens aufwacht und sich fragt, wen er heute umhauen darf. Die nächste Generation serviert sich TikTok-Tore; Fischer servierte Bodychecks mit Seitenhieb. Wer ihn ersetzen will, muss erst einmal 92 kg reine Überzeugung auf die Beine stellen.

Wenn in zwei Wochen die Liga-Qualifikation steigt, wird die Patinoire de Ajoie wieder gären. Dann trägt vielleicht wieder die Nummer 77 auf die Brust geprügelt, wem immer im Weg steht. Und wenn nicht, dann bleibt das Bild eines Mannes, der sich nicht verabschiedet, sondern wegbeisst. Mit blutiger Lippe. Und erhobenem Mittelfinger.