Janina minge: "wir wollen österreich wegputzen – derby-vibes included"

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft fliegt mit zwei Kantersiegen im Gepäck in die nächste Länderspielpause – und Janina Minge lacht nur, wenn sie nach Österreich gefragt wird. „Die kennen wir alle vom Club, vom Bund, von Instagram. Das wird kein Freundschaftsspiel, das wird ein Kleinkrieg“, sagt die Vize-Kapitänin vor dem Doppelpack gegen die Nachbarn am Dienstag in Nürnberg und am 18. April in Ried.

Minge warnt vor „grausamer“ serie

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 4:1 und 6:0 lautete das Nations-League-Doppel im Herbst, beide Spiele waren nach 60 Minuten gelaufen. Doch Minge schüttelt nur den Kopf, wenn man die Ergebnisse erwähnt. „Die sind in Wien nicht dumm. Die werden uns mit allem, was sie haben, attackieren. Und sie haben einiges.“ Die 26-Jährige spielt mit dem Gedanken, dass Österreich in der Qualifikation zur WM 2027 in Brasilien bislang nur ein Remis holte – und deshalb mit dem Rücken zur Wand steht. „Ein verletztes Tier ist gefährlich“, sagt sie und meint das Kompliment.

Christian Wück hat seine 23-Köpfige Truppe seit Montag in Herzogenaurach eingekerkert. Zweimal am Tag rollt der Ball, dazwischen Video, dazwischen Eis. Die 5:0-Gala gegen Slowenien und das 4:0 in Stavanger waren Trainingsspiele gegen sich selbst. Jetzt kommt der erste echte Test – und der ist laut Minge „grausam wichtig“, weil die Gruppensieger direkt tickets nach Brasilien kassieren, die Zweiten in die Relegation müssen. „Wir wollen keine Extrarunden“, sagt sie.

Die polizistin, die alle positionen gespielt hat

Die polizistin, die alle positionen gespielt hat

Minge selbst ist inzwischen zum Urgestein mutiert: 30 Länderspiele, Olympiabronze 2024, EM-Viertelfinale 2022 – und ein Bundesligadebüt im Tor, weil Stina Johannes in der 89. Minute Rot sah und der Wechselkontingent leer war. „Ich habe wirklich jede Position durch, nur rechts außen fehlt noch“, grinst sie. Die Kollegin vom VfL Wolfsburg bringt’s auf dem Papier auf Innenverteidigung, Sechser, Zehner und Sturm. „Wenn Wück morgen sagt: ‚Torwart‘, stehe ich. Aber bitte nicht wieder.“

Die Balance zwischen Humor und Härte ist ihr Markenzeichen. In der Kabine redet sie, wenn nötig, aber sie schreie nicht. „Wir haben keine Stars, wir haben Dienstleister. Jede bringt ihren Müll runter, jede putzt ihre Stollen. Das macht uns unangenehm.“ Dass die Hierarchie flach ist, sieht sie als Trumpf: „Wenn die Stimmung passt, fallen Tore.“

Die Österreicherinnen werden anlaufen wie verrückt, das weiß auch Wück. Sein Plan: früh pressen, früh treffen, dann das Tempo auf 200 km/h hochschrauben. „Wir wollen nicht verwalten, wir wollen demolieren“, sagt Minge und klingt dabei so ruhig, als bestelle sie einen Kaffee. Die letzten beiden Pflichtspiele endeten mit neun Toren Differenz. „Aber das zählt morgen null Komma null.“

Um 18.15 Uhr rollt der Ball im Frankenstadion. Die Karten sind fast weg, die ARD überträgt live. Und Janina Minge? Die wird vor dem Anpfiff noch einmal durchs Mixed-Zone-Lächeln gehen, dann den Blick schärfen. „Wir wollen sechs Punkte, keine Geschichten. Und wenn’s hart wird, werden wir härter.“