Jamaika und bolivien brennen außenseiter ab – kongo und irak warten
Kein Happy End für die kleinen Fußball-Nationen. In Monterrey schickten Jamaika und Bolivien Neukaledonien sowie Suriname mit 1:0 bzw. 2:1 nach Hause – und sorgten dafür, dass sich die große WM-Lotterie auf Dienstag und Mittwoch verdichtet.
Die Bilder von Neukaledoniens Bank nach dem Schlusspfiff sagten alles: 23 Spieler auf den Knien, einige weinten, alle starrten ins Leere. Der 150. der FIFA-Weltrangliste hatte 70 Minuten lang den haushohen Favoriten aus Jamaika im Griff, bis Bailey Cadamarteri in der 18. Minute mit einem trockenen Linksschuss die Kurve fand und den Traum vom ersten WM-Start seit 1950 zerbarst. Leon Bailey, Ex-Bayer und Antreiber der „Reggae Boyz“, war es sogar vergönnt, in der Nachspielzeit noch einen Pfosten zu versenken. Die Inseltruppe um Kapitän Kevin N’Driat absolvierte trotzdem ihre beste Defensivleistung der letzten zwölf Monate – nur reichte eben nichts.

Suriname verschenkt führung in fünf minuten
Suriname dagegen lieferte die klassische Jai-Alai-Vorstellung: früh forschen, spät straucheln. Liam van Gelderen traf nach einer Ecke zum 1:0 (48.), ehe der ehemalige Bundesliga-Duo Jean-Paul Boetius und Melayro Bogarde die Zügel übernahm. Doch Bolivien, seit 30 Jahren ohne WM-Ticket, schlug in Minute 72 und 79 doppelt zu: Moises Paniagua mit dem Ausgleich, Miguelito per Strafstoß nach einem Foul von Van Gelderen an Ramiro Vaca. Sheraldo Becker, erst in der 84. Minute eingewechselt, schaffte es nicht mehr, die Wende einzuleiten. Die „Celeste“ feierte sich anschließend wie nach einem Endrundensieg – schließlich wartet nun Irak, nicht gerade ein unbesiegbarer Gegner.
Die Brisanz im Viertelfinal-Kosmos: Wer am Dienstag in der Estadio BBVA aus Jamaika und Kongo den kürzeren zieht, landet in Gruppe K mit Portugal, Kolumbien und Usbekistan. Die Bolivianer wiederum müssen sich Mittwoch früh um 5 Uhr MEZ gegen Irak beweisen – und dürften anschließend mit Frankreich, Norwegen und Senegal in eine Hammer-Gruppe rutschen, die schon vor dem ersten Anpfiff für Schlagzeilen sorgt.
Die Niederlage schmerzt vor allem deshalb, weil Surinames Verband in den vergangenen Jahren massiv investierte: ein eigenes High-Performance-Camp in Paramaribo, Analysesoftware aus den Niederlanden, ein Scouting-Netzwerk in Europa. Die Ausbeute: drei Siege in 18 Pflichtspielen. Die Erkenntnis: Geld allein macht noch keinen Fußball-Weltmeister.
Für Neukaledonien bleibt der Trost, dass die Reise nach Mexiko das Team endgültig auf die Weltkarte setzte. Drei Fernsehstationen aus Frankreich hatten Reporter entsandt, auf Twitter kursierte der Hashtag #PacifiqueDream stundenlang auf Platz eins in Neukaledonien und den französischen Übersee-Territorien. Der Verband kassierte eine Prämie von umgerechnet 350.000 Euro – genug, um die nächste Generation aufzuwickeln. Sportlich aber ist die Selektion wieder ein Stück weit Anonymität gewährt.
Die verbleibenden Tickets sind heiß umkämpft, die FIFA hat die Preisgelder auf 2,5 Millionen Dollar pro Sieger angehoben. Für kleine Verbände ein Vermögen, für große ein Tropfen auf den heißen Stein. Entscheidend ist nur, wer nach 90 Minuten jubelt – und wer sich die Tränen abtupft. In Mexico herrscht momentan nur eine Gewissheit: Die Underdogs sind raus, die Großen warten mit gezückten Messern.
