Jacquelin zögert: goldheld plant möglichen biathlon-rückzug
Émilien Jacquelin lässt die Bombe platzen. Der 30-jährige Olympia-Sieger und fünfmalige Weltmeister überlegt, ob er nach dieser Saison überhaupt weiterläuft. „Ich spüre diese innere Flamme nicht mehr jeden Tag“, sagt er der französischen Sportbibel L'Équipe.

Die langsamkeit schlägt zurück
Nach neun Weltcup-Saisons, drei Olympischen Spielen und mehreren Stürzen auf hartem Eis frisst sich die Routine in sein Hirn. Jacquelin beschreibt es als „Redundanz“ – ein Wort, das in der Sportsprache so selten vorkommt wie ein Fehlstart beim Massenstart. Die Trainingslager, die Flugkilometer, das ewige Klicken der Steigungen: alles wird zur Schleife.
Paris 2030 lockt. Erstmals seit Albertville 1992 würde Frankreich wieder Winterspiele ausrichten. Jacquelin kann sich das Spektakel in seinem Heimatland als „unfassbares Fest“ vorstellen. Doch vier Jahre sind im Hochleistungssport eine Ewigkeit. „Mental muss man 100 % dabei sein, sonst wird’s ein Sumpf“, warnt er. Wer einmal in den IBU-Cup zurückfällt, dem zieht das Feld weg wie ein Schlittschuh durch Pulverschnee.
Der Franzose schließt sogar ein Sabbatjahr aus. „Eine Pause machen und dann zurückkommen – darüber habe ich wirklich nachgedacht.“ Die Konkurrenz schläft nicht. Die norwegische Staffel um Bø und Lægreid lädt jeden Winter neue Munition nach. Die deutschen Trainer träumen vom nächsten Anschlag aufs Podest. Jacquelin weiß: „Wenn Sport zur Last wird, ist Schluss.“
Die Entscheidung fällt im Frühjahr. Bis dahin peilt er noch zwei Weltcup-Siege an, vielleicht einen weiteren Weltmeistertitel in Rheinland-Pfalz. Dann setzt er sich mit seinem Team an einen Tisch, schaut auf die Kristallkugel der Daten: Puls, Laktat, Schießquote, Schlafphasen. Und auf die Uhr, die seit seinem ersten Weltcupsieg 2019 tickt. Ob sie weiterläuft, entscheidet sich zwischen Herz und Kopf – nicht zwischen Gold und Silber.
