Jackal-quartett versinkt im kinderchaos: rai-show stürzt auf 2,8 % ab
Milchbart statt Primetime: Die vier YouTube-Helden von The Jackal quälen sich seit Dienstagabend durch Stasera a letto tardi – und die Einschaltquote lacht nicht mit, sie lacht über sie. 409 000 Zuschauer, 2,8 % Marktanteil: Das ist kein Ausrutscher, das ist ein Desaster in Echtzeit.
Warum das kinderformat bonolis’ erbe nicht trägt
Endemol Shine Italy baute die Show als Modern-Reset von Chi ha incastrato Peter Pan? auf. Same DNA: Kinder im Vordergrund, Sketchblocks, Promi-Interviews. Nur ohne Bonolis’ souveräne Live-Präsenz. Was bleibt, ist ein Trio plus Fru, das im Studio 11 von Rai 2 improvisiert, als wäre die Redaktion mit Klickfutter statt Konzept ans Mikrofon gegangen.
Die Sendung startet 21.30 Uhr – genau dann, wenn Affari Tuoi auf Rai 1 und La Ruota della Fortuna auf Canale 5 ihre Endrunden zünden. Die Jackals müssen gegen Glücksrad-Quiz und VIP-Gekicke antreten. Das Ergebnis: Kinderlachen wird übertönt von Klingeln und Börsenkurven. Der Slot ist kein Zufall, er ist eine Falle.

Social-media-star-tv kollidiert mit linearem alltag
Aurora Leone, Ciro Priello, Fabio Balsamo und Gianluca „Fru“ Colucci summieren 4,5 Millionen TikTok-Follower. Im Fernsehen zählen aber nicht Views, sondern Minuten. Die kids im Alter von 4 bis 10 liefern niedliche Reaktionen – keine Storybögen. Wenn Mara Maionchi flucht, Alessandro Borghese Nudeln kocht und Fabio Caressa vom Fußball erzählt, wirkt das Publikum so alt wie die Moderatoren. Die Core-Community der Jackals aber schaltet lieber weiter zu Netflix oder YouTube, wo man Pause drücken kann.
Ein Beispiel: Die „Gesetze der Kinder“-Segmente erklären parlamentarische Mechaniken mit Spielzeug. Nett. Aber wer nach 22 Uhr noch Parlamentsdebatten erklärt bekommt, schaltet um auf Grande Fratello VIP, wo dieselben Mechaniken mit Bikinis und Rosensträußen vorgeführt werden. Die Quote bricht zusammen wie ein Kartenhaus im Wind.

Die bilanz nach vier wochen
Rai 2 investierte in Cross-Media-Promotion, versprach „frischen Wind“ und „Zukunft der Familienunterhaltung“. Stattdessen schreibt Stasera a letto tardi Geschichte als Lehrstück darüber, wie man Influencer-Hype in linearer Rundfunkblöde verpulvert. 2,8 % sind nicht nur eine Zahl, sie ist ein Arbeitszettel für den Programmdirektor: Neujustierung oder Axt.
Die Jackals bleiben sympathisch, keine Frage. Aber Sympathie zahlt keine Kamerateams. Wer Kinderlust mit Quotenrezept mixen will, braucht mehr als ein buntes Set und ein paar spontane Schnitte. Bis dahin bleibt nur das Fazit: Wenn das nächste Mal jemand„Peter Pan“ ruft, antwortet vermutlich keiner mehr – zumindest keiner mit einer Fernbedienung in der Hand.
