Italiens rugby-helden jagen den letzten feind: endlich england besiegen?
Samstag, 17.40 Uhr, Stadio Olimpico: Italien steht vor der 24. Six-Nations-Partie gegen England – und vor der Chance, den einzigen Rivalen zu bezwingen, der nie kapitulierte. Gonzalo Quesada nimmt den Druck nicht nur zur Kenntnis, er genießt ihn.
Quesadas dreifach-tausch: pani, brex und garbisi bekommen ihr debakel-testspiel
Lorenzo Pani rückt für den verletzten Ange Capuozzo nach hinten, Ignacio Brex kehrt nach zwei Spielen Pause zurück, und Alessandro Garbisi übernimmt endlich die Neun – statt Alessandro Fusco, der jetzt als Finisher warten soll. „Wir wollten Intensität von der ersten Sekunde“, sagt der Trainer, „und Ale hat sich diese Chance in jedem Training erkampft.“
Die Zahlen flüstern Italien Mut zu: England kommt mit zwei Niederlagen im Gepäck, beide Teams stehen bei fünf Punkten. Doch die Statistik brüllt zurück: 23 Vergleiche, 23 englische Siege, 949:319 Punkte. Kein anderes Six-Nations-Duo ist so einseitig.

Englands borthwick setzt auf neun wechsel – und einen plan b mit ball in der hand
Steve Borthwick rotiert wild: Fin Smith und Ben Spencer sollen die Ballkontrolle beschleunigen, Tom Curry rückt auf die Sechser-Position, Maro Itoje führt ein komplett neues Pak. „Sie wollen nicht mehr nur drauf-und-dran“, erkennt Quesada, „sie wollen Rugby spielen, nicht nur Pressing.“
Italien antwortet mit der eigenen Waffe: Line-out-Varianten rund um Zambonin, Cannone und dem formstarken Lamaro, plus dem schnellsten Ruck-Ball der Turnierhistorie (2,1 Sekunden im Schnitt). Wenn die Azzurri das Tempo oben halten, könnte Englands neue Halb-Doppel-Smith-Anordnung ins Leere laufen.

Der klub-kollaps im rücken, das militär auf der tribüne
Während Colorno, Noceto und Verona in den vergangenen Wochen den Profibetrieb einstellten, baut die Federpartner Armee im Foro Italico ein Feldlager: Flugsimulator, Kletterwand, Military-Fitness-Circuit. Symbolik inklusive – die Basis soll nach oben drücken, wo die Basis gerade abstürzt.
Quesada will sich nicht in Lizenzfragen verstricken, verspricht aber: „Nach dem Turnier bin ich wieder in den Clubs, um zu helfen.“ Erst mal hilft er sich selbst – mit einem Sieg, der das italienische Rugby neu erfinden würde.
Anpfiff ist mehr als ein Spiel. Es ist die 80-minütige Antwort auf 23 Jahre Nullnummer. Und vielleicht der Startschuss für eine Ära, in der England nicht mehr unbesiegt, sondern nur noch ein Gegner ist.
