Italiens playoff-krimi: ex-trainer deckt bosniens schwächen auf

Roberto Cevoli lacht nicht, wenn er an Zenica denkt. Der 56-Jährige ist der letzte Coach, der die Azzurri live studierte – und er kam zurück mit einer Kampfansage für Gattuso: Bosnien ist schlagbar. San Marinos Nationaltrainer spricht von einem „plumpen Rumpel-Bund“ und verrät, wie sich Dzeko & Co. knacken lassen.

Die geheimmappe aus dem juni

7. Juni, Bilino-Polje-Stadion, 32 °C Hitze. Cevoli stand an der Seitenlinie, seine Mannschaft spielte sich in 70 Minuten in die Beine. „Wir haben 0:1 verloren, aber das Ergebnis trügt. Bis zur 65. Minute war das ein offener Schlagabtausch.“ Dzeko saß zunächst in Sneakers auf der Bank, sollte eigentlich pausieren. „Dann kippte Barbarez die Meinung, er zog sich die Stollen an und machte uns kalt.“ Cevoli schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch. „Trotzdem wissen wir, wo der Haken hängt.“

Der Plan: früh stören, Zwischenlinien zustellen, die Außenbahnen dicht machen. „Bosnien will Fußball, aber nur im Tempo ihrer Großmutter. Wir haben ihnen 25 Minuten lang den Platz verengt, sie sind nicht drum herum gekommen.“ Italien hat nach Cevolis Analyse mehr Speed, mehr Druck, mehr Ideen – muss sie nur abrufen.

Stadion, ein kasten voller fallen

Stadion, ein kasten voller fallen

„Bilino Polje ist keine Arena, es ist ein Kompakt-Kessel mit 30.000 offenen Ohren“, beschreibt Cevoli den Schauplatz des Playoff-Finals. Die Gästekabine liegt im zweiten Stock, ohne Aufzug. „Unsere Staffel musste 40 Kilo Ausrüstung über zwei steile Betonrampen schleppen. Die Jungs haben gelacht, bis sie merkten, dass das auch ihre Beine kostet.“ Am Dienstag werden nur 12.000 Zuschauer passen – aber jeder wird brüllen, als wäre er das ganze Land.

Trotzdem: „Wenn Italien das Tempo oben hält, wird das Publikum still. Bosnien hat kein zweites Gaspedal.“ Cevoli hat mit Barbarez kurz gesprochen. „Er meinte, wir hätten sie mehr geärgert als Frankreich. Das war kein Kompliment, das war ein Warnschuss an seine Mannschaft.“

Der 40-jährige torjäger und die angst vor der eigenen hälfte

Der 40-jährige torjäger und die angst vor der eigenen hälfte

Edin Dzeko ist längst kein Geheimnis mehr, doch Cevoli warnt: „Er läuft nicht mehr viel, aber er braucht nur einen halben Meter. Gebt ihm den, und ihr könnt euch den Ball aus dem Netz holen.“ Gattusos Innenverteidiger kennen ihn aus Serie-A-Duellen, dennoch: „Der Mann trägt 120 Länderspiele im Rücken, das ist kein Rentner, das ist ein Chamäleon.“

Neuer heißt Alajbegovic. „Der Junge hat uns mit einem Doppelpass allein gelassen, sein erstes Nationaltor war gegen uns. Er ist beidfüßig, schaltet schneller als das WLAN in San Marino.“ Cevolis Fazit: „Klopft ihn aus dem Rhythmus, dann wird er normal.“

Italiens vorteil ist kein mythos

Italiens vorteil ist kein mythos

„Keine Frage, die Qualität liegt auf italienischer Seite“, sagt Cevoli. „Aber Qualität reicht nicht, wenn man den Gegner läuferisch überrollt. Bosnien wartet darauf, dass du denkst, es wäre einfach. Genau dann schlägt deren Punch zu.“

Cevoli kennt die Zahlen: seit zwölf Jahren wartet Italien auf eine WM-Teilnahme. „Für diese Generation ist das keine Statistik, das ist ein Spiegel. Gewinnen sie in Zenica, sprechen wir nicht mehr von Verdienst, sondern von Befreiung.“

Er selbst wird vor dem Fernseher sitzen, mit Kugelschreiber und Notizblock. „Ich drücke Italien die Daumen, aber ich weiß: wer vorbereitet ist, dem schenkt Zenica den Einzug. Und wer nachlässt, den begraben 12.000 Stimmen unter dem Schnee.“