Italiens paralympics startet mit neun podestplätzen – und einem trauma von 1994

Nach vier Wettkampftagen in Mailand-Cortina hat Italien bereits neun Medaillen geholt. Das ist zwei mehr als nach dem gesamten Winter von Peking 2022 – und nur vier Stück entfernt vom Rekord von Lillehammer 1994. Damals allerdings ohne ein einziges Gold. Die drei bisherigen Goldsiege 2025 erinnern stattdessen an Nagano ’98, wo die Squadra ebenfalls dreimal die höchste Stufe erklommen hatte.

Warum die zahlen trotzdem nicht zählen

Die Klassifizierungen haben sich verschoben, die Teilnehmerzahl explodiert. Gleichwohl: Wer im eigenen Land gewinnt, spürt den Jubel direkt. Die Aufmerksamkeit ist kein Echo aus Fernost mehr, sondern ein Live-Erlebnis vor heimischem Publikum. Emanuel Perathoner, Chiara Mazzel und Giacomo Bertagnolli lieferten den Plot, Federico Pelizzari und René De Silvestro die Nebengeschichten – allesamt perfekt inszeniert.

Der Präsident des italienischen Paralympischen Komitees gab offen zu: „Mit diesem Start haben wir nicht gerechnet.“ Die Neun-Medaille-Marke nach vier Tagen ist kein statistisches Fußnote, sondern ein Spiegel neuer Trainingsstrukturen und eines Budgetsprungs, der sich seit Tokio 2021 in der Pipeline befand.

Das gold von 1994 fehlt noch – und das ist kein zufall

Das gold von 1994 fehlt noch – und das ist kein zufall

Lillehammer war ein Wunder winter ohne Zitronengelb. Silber und Bronze im Überfluss, doch die oberste Stufe blieb tabu. Die aktuelle Ausbeute schreibt das Narrativ um: Gold ist keine Zufallserscheinung mehr, sondern Teil des Plans. Bergwelt, Windkanal, Datenbrillen – die Science trägt italienische Flagge.

Die wahre Revolution spielt sich jedoch außerhalb der Pisten ab. Die Paralympics sind zum ersten Mal seit 1956 wieder auf italienischem Boden, und die Medaillen wirken wie Visitenkarten in einer Gesellschaft, die Behindertensport bislang nur alle vier Jahre wahrnahm. Die Sendungen laufen prime time, die Trikots werden in Schulen verteilt. Ein Land lernt, dass Helden nicht nur aus San Siro kommen.

Die Bilanz nach vier Tagen: neun Mal Podest, drei Mal Hymne, null Mal Langeweile. Mailan-Cortina hat die Latte auf zehn Medaillen gelegt. Und weil die Athleten diesmal vor ihren Elfenbeintüren starten, stehen die Chancen gut, dass der Rekord von 1994 schon bald nur noch ein Eintrag in der Archivkiste ist.