Italiens leichtathletik glänzt in ancona – falocchi springt 2,30 m

Keine Mattia Furlani, keine Nadia Battocletti – und trotzdem hat die italienische Leichtathletik bei den nationalen Hallenmeisterschaften in Ancona eindrucksvoll bewiesen, dass sie mehr ist als nur zwei, drei große Namen. Der dritte und letzte Tag gehörte einer Frau, einem Wiedergeborenen und einem Rekordbrecher.

Dosso dominiert die 60 meter – und doualla macht druck

Zaynab Dosso läuft in ihrer Vorlauf-Routine einfach 7,09 Sekunden – zehn Hundertstel entfernt vom italienischen Rekord, den sie erst am vergangenen Sonntag aufgestellt hatte, als sie erstmals die Sieben-Sekunden-Schallmauer durchbrach. Im Finale, achtzig Minuten später, folgt die 7,10 mit einer Reaktionszeit von 0,183 Sekunden. Klar, souverän, fast schon gelangweilt schnell.

Aber hinter ihr lauert jemand, der aufhorchen lässt. Kelly Doualla, gerade einmal 16 Jahre alt und aus Lodi, verbessert ihren Saisonbestwert um sechs Hundertstel auf 7,21 Sekunden. Ihr fehlt eine Hundertstel zum WM-Standard – eine Nominierung für die Weltmeisterschaften in Toruń könnte sie trotzdem erreichen, über die Weltrangliste. Ihre Reaktionszeit: 0,181 Sekunden. Aurora Berton komplettiert das Podium mit 7,31.

Dallavalle und diaz kehren im dreisprung zurück

Dallavalle und diaz kehren im dreisprung zurück

Seit den Weltmeisterschaften im Freien in Tokio im September hatten weder Andrea Dallavalle noch Andy Diaz im Dreisprung antreten. In Ancona war es ein Test – bewusst dosiert, mit jeweils nur zwei Versuchen. Dallavalle springt 16,83 und dann 16,99 Meter und sichert sich den Titel. Diaz antwortet mit 16,90 Metern – allerdings mit einem Abstand von 58 Zentimetern zum Absprungbalken – und 15,99 im zweiten Versuch, den er nicht zu Ende führt. Kein großes Duell, aber ein klares Signal: Beide sind wieder da.

Falocchis auferstehung – 2,30 meter nach jahren voller verletzungen

Das war die Geschichte des Tages. Christian Falocchi, 29 Jahre alt, aus Bergamo, überquert 2,30 Meter im Hochsprung – und das mit Spielraum. Getrennt von ihm und seinem Erfolg: genau die Kulisse, die es brauchte. Keine Sioli, kein Sottile, kein Lando – und das Ganze ausgerechnet in Ancona, der Stadt von Gimbo Tamberi. Falocchi, der als Frühtalent galt und dann jahrelang von Verletzungen ausgebremst wurde, hatte seinen Rekord erst am 31. Januar um drei Zentimeter auf 2,28 Meter verbessert – nach neun langen Jahren. Jetzt steht er bei 2,30, der zweiten Weltjahresbestleistung ex aequo. Seine Trainer Orlando Motta und Pierangelo Maroni haben ganze Arbeit geleistet. Bei den Weltmeisterschaften in Toruń (20.–22. März) könnte er für eine echte Überraschung sorgen.

Dester bricht seinen eigenen siebenkampf-rekord

Dario Dester, 25, aus Cremona, hat fünf Jahre gewartet, um seinen eigenen italienischen Rekord im Siebenkampf zu verbessern. In Ancona fügt er 45 Punkte hinzu und landet bei 6121 Punkten. Der Carabiniere, der seit einigen Saisons in Ulm unter Trainer Christopher Hallmann arbeitet, lieferte über zwei Tage konstant ab: 6,91 Sekunden über 60 Meter, 7,48 Meter im Weitsprung, 14,86 Meter im Kugelstoßen, 1,98 Meter im Hochsprung am ersten Tag – und dann 7,96 Sekunden über die Hürden, 4,70 Meter im Stabhochsprung sowie ein starkes Abschlussergebnis von 2:37,69 Minuten über 1000 Meter. Diese Leistung dürfte ihm die Qualifikation für Toruń sichern, wo 14 Athleten eingeladen werden.

Randazzo, coiro und die weiteren sieger des tages

Filippo Randazzo, einst Weitspringer mit neun nationalen Titeln, hat die Transformation zum Sprinter vollzogen. Die 60 Meter gewinnt er in 6,61 Sekunden, drei Tausendstel vor Samuele Ceccarelli, der dieselbe Zeit auf der Uhr hat. Das Paar Federico Riva und Ludovica Cavalli liefert in den 3000 Metern Qualität: 7:45,25 Minuten für ihn – einen Hundertstel vor Pietro Arese – und 8:51,38 Minuten für sie.

Über 400 Meter setzt Eloisa Coiro mit 52,02 Sekunden ein Ausrufezeichen – die drittschnellste Italienerin aller Zeiten auf dieser Distanz, vor Alessandra Bonora (52,38), Alice Muraro (52,60) und Ayo Folorunso (52,94). Weitere Sieger: Matteo Raimondi über 400 Meter (47,10), Giovanni Lazzaro und Laura Pellicoro über 800 Meter, Aurora Vicini im Hochsprung (1,90 Meter), Elisa Molinarolo im Stabhochsprung (4,40 Meter) und Dariya Derkach im Dreisprung (13,90 Meter). Die 4x400-Meter-Staffeln gingen an die Atletica Chiari bei den Männern (3:14,38) und an die Pro Patria Milano bei den Frauen (3:41,05).

Die Vereinsmeisterschaften sicherten sich die Fiamme Gialle bei den Männern und die Carabinieri bei den Frauen. Italiens Leichtathletik braucht keine Superstars, um zu funktionieren – das hat Ancona gerade sehr deutlich gezeigt.