Italienischer fußball am scheideweg: wer führt die 'azzurri'?

Rom – Der italienische Fußball steht vor einem epochalen Umbruch. Zehn Tage nach dem Rücktritt von Gabriele Gravina als Präsident des italienischen Fußballverbands (FIGC) beginnt nun die heiße Phase der Nachfolgesuche. Die Frage ist nicht, ob es Veränderungen gibt, sondern wer diese Veränderungen maßgeblich gestalten wird.

Die lega serie a entscheidet mit

Die heutige Versammlung der Lega Serie A in Mailand markiert einen entscheidenden Moment. Nicht nur für die Liga selbst, sondern auch für die anderen Komponenten des Verbands, die ihre Unterstützung für einen Kandidaten bekunden wollen. Eine überraschend schnelle und kompakte Entscheidung zugunsten von Giovanni Malagò deutet auf eine mögliche Verlagerung der Machtverhältnisse hin. Dies könnte die Richtung vorgeben, in die sich die Zukunft des italienischen Fußballs entwickelt.

Doch es gibt auch andere Kandidaten, die in den Startlöchern stehen. Insbesondere der Wunsch vieler nach einem ehemaligen Spieler als Präsident könnte die Waage zugunsten von Namen wie Demetrio Albertini oder Damiano Tommasi neigen. Beide haben in der Vergangenheit bereits wichtige Funktionen beim FIGC bekleidet und verfügen über die notwendige Erfahrung und das Ansehen.

Albertini als Hoffnungsträger?

Albertini gilt derzeit als der Kandidat mit den größten Erfolgsaussichten. Seine Vergangenheit als Spieler und seine administrative Kompetenz sprechen für ihn. Aber er muss sich gegen Malagò durchsetzen, der mit einer starken Position in das Rennen startet. Die Entscheidung der Spielerorganisation Aic wird dabei entscheidend sein. Mit einem 20-prozentigen Anteil an den Wahlstimmen könnte sie den Ausschlag geben.

Auch die Assoallenatori, vertreten durch Renzo Ulivieri, wird ihre Präferenz im Juni abgeben. Eine weitere Stimme für einen ehemaligen Spieler wäre für die Aic von großem Vorteil.

Abetes widerstand und die rolle der dilettanti

Abetes widerstand und die rolle der dilettanti

Giancarlo Abete, der Präsident des italienischen Amateurverbands (LND), scheint mit der möglichen Berufung von Malagò nicht einverstanden zu sein. Er setzt auf einen Kandidaten, der bereits im System verwurzelt ist – möglicherweise auch auf sich selbst. Die LND verfügt mit 34 Prozent der Stimmen über ein beträchtliches politisches Gewicht. Allerdings sollten sich die LND-Delegierten nicht blindlings nach den Vorgaben ihres Präsidenten richten.

Die Politik spielt ebenfalls eine Rolle. Minister für Sport Abodi und Lega-Chef Salvini äußerten bereits Bedenken hinsichtlich Malagòs Kandidatur. Ein unerwartetes Bündnis zwischen Abete und Abodi könnte die Karten neu mischen und Albertini oder sogar einen überraschenden Namen wie Roberto Baggio oder Gigi Buffon ins Spiel bringen.

Die Zeit drängt. Die Einreichung der Kandidaturen endet am 13. Mai. Sollte sich herausstellen, dass Malagò kaum zu schlagen ist, könnte der Versuch unternommen werden, die Stimmen zu spalten und eine Neuwahl durch einen Kommissar zu erzwingen.

Die Entscheidung, wer die 'Azzurri' in die Zukunft führen wird, liegt nun bei den Delegierten, die am 22. Juni wählen werden. Es wird ein spannender Wettkampf, dessen Ausgang den italienischen Fußball nachhaltig prägen wird.

Die nächste Woche wird entscheidend sein, um zu sehen, ob Malagò die notwendige Unterstützung gewinnen kann oder ob ein überraschender Kandidat ins Rennen einsteigt, um die Fußballwelt in Italien aufzurütteln.