Italienische rugby-stars erobern europa: der neue boom!
Die Zeiten, in denen italienisches Rugby im Schatten anderer Nationen stand, scheinen vorbei. Nach Jahren der Stagnation erleben wir einen regelrechten Exportschlager: Top-Klubs in England und Frankreich machen sich einen Wettkampf um die besten Talente der Azzurri, ähnlich wie in den glorreichen Tagen von Parisse, Castrogiovanni und Lo Cicero. Und wie damals, so triumphieren unsere Spieler auch heute auf internationalem Parkett.
Die premiership und top 14 beben
Ein Blick auf die jüngsten Erfolge lässt kaum Zweifel: Danilo Fischetti krönte seinen Durchmarsch mit dem Gewinn der Premiership für Northampton, und Ange Capuozzo könnte bereits am Samstag seinen dritten Titel in der französischen Topliga mit Toulouse feiern. Die englische Presse überschlägt sich bereits mit Lobeshymnen auf Andrea Zambonin, der als „die formstärkste Zweite-Reihe-Spieler der Welt“ gefeiert wird. Auch Ross Vintcent und Fischetti begeistern mit ihrem Dynamismus und ihrer „Garra“. Und dann ist da noch Tommaso Menoncello, der bald in Toulouse für Furore sorgen wird – ein Wechsel, der nicht nur sportlich, sondern auch mental eine neue Ära einläutet.

Von parisse bis capuozzo: eine neue generation
Erinnern wir uns an Sergio Parisse, den Pionier, der bereits vor Jahren den Weg über die Landesgrenzen hinaus ebnete. Er führte Stade Français zu zwei Meistertiteln und dem Gewinn des Challenge Cups, bevor er in Toulon ein weiteres Kapitel seiner Karriere schrieb. Doch Parisse war nicht allein. Zahlreiche Stars der ersten wirklich wettbewerbsfähigen italienischen Nationalmannschaft, die 2009 die All Blacks kurz vor der K.O.-Phase hatten zittern lassen, spielten ebenfalls im Ausland: Castrogiovanni in Leicester, Ongaro bei Saracens, Perugini in Bayonne, Lo Cicero beim Racing 92 – die Liste ist lang.

Die urc als talentschmiede
Heute erleben wir eine ähnliche Entwicklung, aber mit einem wichtigen Unterschied: Die URC (United Rugby Championship) bietet italienischen Klubs wie Benetton und Zebre die Möglichkeit, sich regelmäßig auf höchstem europäischem Niveau zu messen. Diese Liga dient als eine Art Superliga, in der junge italienische Spieler wertvolle Erfahrungen sammeln und sich weiterentwickeln können. Gleichzeitig „befreit“ die Auswanderung von Leistungsträgern Platz für Nachwuchsspieler in den italienischen Franchises. Der Wechsel von Brex beispielsweise ermöglichte Leonardo Marin den Durchbruch, und der baldige Abgang von Menoncello schafft Räume für François Mey.

Die jagd nach der nationalmannschaft
Die wachsende Attraktivität italienischer Spieler im Ausland hat auch eine weitere Folge: Die Konkurrenz um die Nationalmannschafts-Trikots nimmt zu. Der Exiles-Projekt der FIR (Federazione Italiana Rugby) hat dazu beigetragen, dass immer mehr Spieler mit italienischen Wurzeln für die Azzurri in Frage kommen. Ein Beispiel ist Ange Capuozzo, der als Medianspieler beim Grenoble-Nachwuchsteam entdeckt wurde und durch seinen Wechsel zur Nationalmannschaft seine Karriere revolutionierte. Auch Stephen Varney, ein italo-gallesischer Halbspieler, wurde vom gallisischen Verband abgeworben und ist heute eine feste Größe im italienischen Team. Und die Liste wird länger, denn Louis Lynagh, Sohn der australischen Rugby-Legende Michael Lynagh, und Matt Gallagher, Sohn des All-Blacks John Gallagher, haben ebenfalls für Italien entschieden.
Die italienische Nationalmannschaft erlebt derzeit eine Blütezeit, und die Erfolge ihrer Spieler im Ausland tragen maßgeblich dazu bei. Die Zukunft des italienischen Rugby sieht rosiger aus denn je.
