Italien gelingt der erste weltcup-sieg im frauen-doppel – jetzt jagt das duo em-gold
Null Siege, null Podestplätze – bis Samstag. Dann legten Alice Gnatta und Clara Guerra im bulgarischen Plovdiv ein Tempo vor, das selbst die chinesische Frühstarterin verschluckte. 6:48,57 Minuten, Vorsprung 2,36 Sekunden auf die USA, 2,37 auf China – damit schreibt das italienische Frauen-Doppel erstmals Geschichte im Weltcup.
Wie ein sturm auf der doppelten wellenlänge
Die beiden Fiamme Gialle-Athletinnen schöpften noch vor der 1500-Meter-Marke an der Favoritin vorbei, als hätten sie den Rhythmus des Gegners übernommen. „Nach tausend Metern begann ich mich umzusehen und spürte, dass wir das Ding holen können“, sagt Clara Guerra. Ihre Partnerin ergänzt: „Ich bin eine gute Fahrerin, sie eine großartige Lehrerin – das ergänzt sich perfekt.“
Das Rennen war nicht nur ein Sieg, sondern ein Statement. Es ist der erste Podestplatz überhaupt für ein italienisches Frauen-Doppel im Weltcup – und der Auftakt für eine Serie. Drei Boote starteten in Plovdiv, zwei kehrten mit Medaille zurück. Die Handschrift von Bundestrainer Antonio Colamonici ist unverkennbar. Der 54-jährige Neapolitaner brachte in seiner Zeit in Rumänien acht Olympiamedaillen – fünf davon gingen an Frauen.

Von stakenlänge zu paddelsynchronizität
Nicht immer ruderten die beiden im Takt. Gnatta und Guerra begannen ihre Karriere im Achter und Vierer ohne Steuermann, mussten umsteigen, als die Bundestrainer das Frauen-Doppel neu aufstellten. Die Umstellung von der langen Stakenbewegung auf die enge Koordination im Doppelzweier war hart. 18 Monate später stehen sie auf dem obersten Podest.
Die nächste Zielmarke ist klar: EM in Varese Ende Juli. „Zu Hause zu starten, gibt uns noch einen Extra-Schub“, sagt Gnatta. Danach folgt die Weltmeisterschaft in Amsterdam (24.–30. August), wo erstmals seit 2009 wieder ein italienisches Frauen-Doppel um Edelmetall kämpfen könnte. Die letzte Gold-Gewinnerinnen Gabriella Bascelli und Laura Schiavone haben damals in Brest den Maßstab gesetzt.

Gold als liebesbeweis und generationssignal
Clara Guerra widmete den Triumph ihrem Mann Catello Amarante, selbst ehemaliger Riemen-Ass, und der gesamten Betreuungsmannschaft. „Ich habe Plovdiv schon seit den U-23-Jahren mit Silber im Kopf – jetzt ist es Gold“, sagt sie. Ihre Partnerin sieht darin eine weitere Dimension: „Wir zeigen den jungen Mädels, dass es kein Glück braucht, sondern Training und Mut.“
Italien hat in diesem Weltcup nicht nur ein Boote, sondern ein ganzes Rudel entdeckt. Auch das Herren-Vierer ohne Steuermann um Luca Chiumento und Giacomo Gentili setzte sich gegen China durch, und das Herren-Achter feierte einen Start-Ziel-Sieg. Doch der eigentliche Sturm kommt von den Frauen – und der rollt weiter Richtung Varese.
Die Saison ist noch lang, aber die Wegmarke in Plovdiv ist gesetzt: Italien rudert nicht mehr nur mit, es überholt. Und das ohne Rücksicht auf Rekorde.
