Italien am abgrund: verpasste wm-chance und bittere rache
New York – Was wäre gewesen, wenn? Diese Frage quält italienische Fußballfans derzeit. Ein verpasster WM-Traum, eine verpasste Chance, sich neu zu erfinden – und ein tiefes Gefühl der Enttäuschung, das sich in den Stadien Amerikas breit macht. Fabio Licari berichtet aus der Ferne über die verpassten Gelegenheiten.
Die geister von zenica verfolgen die squadra azzurra
Der bittere Abend in Zenica, das verlorene WM-Qualifikationsspiel, wirft einen langen Schatten. Nicht nur das Ergebnis, sondern die Art und Weise, wie das Spiel verloren ging, nagt an den Nerven. Ein Platzverweis für Bastoni, eine vergebliche Hoffnung durch Keans Führungstreffer – und dann die nervenaufreibende Spannung der Elfmeter, die von Esposito und Cristante vergeben wurden. Ein Albtraum für die italienische Nationalmannschaft.
Doch die Rache des Schicksals hätte anders aussehen können. Stellen wir uns vor, es wäre Kanada gegen Italien gewesen, nicht Kanada gegen Bosnien. Ein Szenario, in dem Italien nicht zum dritten Mal in Folge eine Weltmeisterschaft verpasst hätte, sondern die Möglichkeit gehabt hätte, seine wahre Stärke zu beweisen.
Die Parallelwelt der alten Garde
Was wäre, wenn wir uns nicht in den Stadien Amerikas verirren würden, sondern in Toronto, wo unsere Gemeinschaft uns mit offenen Armen empfangen hätte? Ein Paralleluniversum, in dem wir noch die alte, starke Italien wären. Ein Universum, in dem Dzeko, der großartige Champion, noch immer mit vierzig Jahren brilliert, Muharemovic möglicherweise von Sassuolo zu Juventus zurückkehrt und David die Serie A verlässt – wie so viele andere ausländische Spieler, die unsere Liga bereichern.
Die Erinnerungen an Zenica sind jedoch schmerzhaft. Sie verstärken das Gefühl, eine Chance verpasst zu haben. Eine Chance, die uns durch ein glückliches Los in Washington geboten worden wäre, ein Los, das uns eine überschaubare Gruppe für die WM beschert hätte. Ein Szenario, in dem wir entweder als Gruppenerster oder Zweiter eine relativ einfache Aufgabe im Achtelfinale gehabt hätten. Möglicherweise sogar ein Duell gegen Nordkorea oder die Niederlande – und vielleicht die Wiederholung eines Märchens wie 1994, als Italien als Dritter ins Turnier einzog und bis ins Finale kam.

Die verpasste reise nach salt lake city
Stattdessen kein Urlaub auf der Couch, kein Traum von Salt Lake City in Utah, dem Herzen des amerikanischen Westens, wo die Nationalmannschaft sich auf die WM vorbereiten würde. Kein Auftritt von Baldini und seinen jungen, ungestümen Talenten, die uns Hoffnung gemacht hätten. Aber auch Baldini würde verstehen, dass wir ein wenig müde geworden sind, Jahr für Jahr die Zukunft zu planen, während uns die Gegenwart entgleitet.
Jetzt bleibt uns nur noch, Kanada gegen Bosnien zu verfolgen und uns die Tränen zu trocknen. Eine Weltmeisterschaft ohne Italien ist immer etwas weniger aufregend. Die Frage ist: Können wir aus dieser bitteren Erfahrung lernen und gestärkt daraus hervorgehen?
Die Wahrheit ist: Die Zeit des Haderns ist vorbei. Es gilt, den Blick nach vorne zu richten und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Denn der italienische Fußball hat noch viel zu bieten – und die Welt wartet gespannt darauf, es zu sehen.
