Iran-usa: flaggenkrieg und proteste überschatten wm-debüt
Los Angeles bebte Fußball, doch das WM-Debüt des Iran war von einer erstickenden Atmosphäre geprägt. Was als sportlicher Kräftemessen gegen Neuseeland hätte beginnen sollen, entpuppte sich als Schauplatz eines tiefgreifenden Konflikts – ein Spiegelbild der politischen Spannungen zwischen Teheran und Washington.
Die farben der rebellion: eine demonstration der hoffnung
Schon während des Aufwärmens der iranischen Mannschaft im Carson Park herrschte eine angespannte Stimmung. Während vereinzelte Applausrufe zu hören waren, übertönten sie deutlich lauter Buhrufe, die sich gegen die Spieler richteten. Der Grund: Eine Welle von iranischen Staatsbürgern, die im Exil leben, hatte sich vor dem SoFi Stadium versammelt und präsentierte stolz die alten iranischen Flaggen – die mit dem Löwen und der Sonne, Symbole der Monarchie vor der Islamischen Revolution von 1979. Diese Flaggen sind ein starkes Zeichen des Widerstands gegen das aktuelle Regime und ein Aufruf zur Rückkehr zu den Werten der Freiheit und Demokratie.
Neda, eine 22-jährige UCLA-Studentin, verkörperte diese Stimmung. Sie schrie sich heiser vor dem Stadion aus, ihre Stimme getragen von dem Schmerz und der Wut über die Situation in ihrem Heimatland. „Viele meiner Verwandten in Iran haben an den Protesten teilgenommen. Einige haben ernsthafte Probleme. Ich denke zuerst an sie, nicht an das Ergebnis des Spiels…“, erklärte sie mit Tränen in den Augen. Sie ist nur eine von Hunderttausenden iranischen Exilanten in Kalifornien, die sich hier ein neues Leben aufgebaut haben und nun ihre Stimme erheben, um für ihre Ideale zu kämpfen.

Ein tehrangeles im herzen von los angeles
Die iranische Diaspora hat sich in Los Angeles stark verankert. Im Viertel Tehrangeles, wo Farsi gesprochen wird und persische Läden und Restaurants den Straßenbild prägen, leben schätzungsweise eine Million Iraner und iranische Amerikaner. Doch die Unterstützung für die Nationalmannschaft ist gering. „Ich liebe den Iran, aber ich betrachte dieses Team nicht als repräsentativ für das iranische Volk“, erklärte Roozbeh Farahanipour, ein politischer Aktivist, der in Los Angeles Zuflucht gefunden hat. Arash, ein Kaufmann im Persian Square, erinnert sich noch an die Zeiten, in denen er als Junge die Mannschaft bejubelte. „Heute kann ich das nicht mehr. Ich hasse die Spieler nicht, aber ich glaube, dass die Regierung den Fußball für ihre Zwecke missbraucht.“

Die fifa im kreuzfeuer und ein ungewisser ausgang
Die Situation eskalierte, als die iranische Fußballföderation die Fifa aufforderte, das Zeigen der alten Flaggen zu verbieten, da sie als politisch und feindselig gegenüber der Nationalmannschaft angesehen wurden. Die Fifa folgte dieser Forderung, was zu einer weiteren Zuspitzung der Lage führte. Selbst die kalifornische Corte Superior des Los Angeles County musste sich einschalten, um die Einhaltung des Verbots zu gewährleisten. Doch die Bemühungen, die Spannung zu entschärfen, scheiterten.
Am Ende durften die alten Flaggen am SoFi Stadium gezeigt werden. Die Atmosphäre war angespannt, die Spieler wurden mit gemischten Gefühlen empfangen. Die Mannschaft von Taremi stand vor einer gewaltigen Herausforderung: nicht nur, das Spiel gegen Neuseeland zu gewinnen, sondern auch den Hass und die Verbitterung der Exiliraner zu überwinden. Die Spieler taten sich schwer mit der Stimmung im Stadion und mussten sich mit Buhrufen abfinden. Die WM-Bühne wurde so zur Projektionsfläche eines Konflikts, der weit über den Fußball hinausgeht.
Die Ereignisse in Los Angeles zeigen deutlich, dass die politische Krise im Iran und die Spannungen mit den USA die Welt des Sports nicht unberührt lassen. Es bleibt abzuwarten, ob die WM in Katar zu einem Moment der Versöhnung und des Verständnisses werden kann oder ob sie die Gräben zwischen den beiden Iranen weiter vertieft.
