Iran-star provozierte mit schussgeräuschen – wm-debüt wird zum politikum
Los Angeles – Ein Unentschieden gegen Neuseeland, ein verlegenes Gesicht unter dem Trikot und Jubel, der für hitzige Diskussionen sorgte: Der WM-Start des Iran gleicht einem Balanceakt zwischen Sport und Politik. Das 2:2 im SoFi Stadium in Los Angeles war mehr als nur ein Fußballspiel – es offenbarte tiefe Gräben und einen immensen Druck auf das iranische Team.
Ein jubel, der fragen aufwirft
Mohammad Mohebi, der Offensivspieler von FC Rostov, brachte den Iran in der 60. Minute mit einem wuchtigen Schuss zurück ins Spiel. Doch anstatt sich von der Freude leiten zu lassen, imitierte er nach seinem Tor Schussgeräusche mit der Hand. Die Bilder gingen viral und lösten eine Flut von Spekulationen über einen politischen Hintergrund aus. Mohebi selbst versuchte, die Situation zu entschärfen: „Ich wollte allen Iranern in Los Angeles danken, die eine großartige Atmosphäre schaffen. Der Jubel kam mir spontan in den Sinn – das mache ich für alle Fans, einfach ein Jubel.“ Ob das die Debatte wirklich beruhigt hat, bleibt abzuwarten.
Auch sein Teamkollege Ramin Rezaeian sorgte für Aufsehen. Nach seinem zwischenzeitlichen 1:1 versteckte er sein Gesicht unter seinem Trikot. Seine Aussage nach dem Spiel war kryptisch: „Es ist etwas Politisches, darüber möchte ich nicht sprechen. Wir sind hier, um Fußballfragen zu beantworten. Wenn es Probleme zwischen uns Iranern gibt, sind das interne Angelegenheiten.“ Rezaeian, mit 36 Jahren ein erfahrener Spieler, wich der direkten Beantwortung aus und deutete an, dass es hinter den Kulissen Spannungen gibt.

Ein turnier unter höchstem druck
Die WM-Teilnahme des Iran war bis kurz vor dem Turnier ungewiss. Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA, der im Februar eskalierte und erst kürzlich durch einen fragilen „Deal“ beigelegt wurde, warf einen langen Schatten auf das Team. Das Teamquartier wurde kurzfristig nach Mexiko verlegt, und die Mannschaft darf die US-Grenze nur für ihre Spiele passieren. Über ein Dutzend iranischer Funktionäre darf nicht in die USA einreisen. Ein Umstand, der Trainer Amir Ghalenoei sichtlich belastet.
„Nach dem Spiel haben sie uns gesagt: ‚Ihr müsst sofort gehen.‘ Sie forderten uns auf, ins Flugzeug zu steigen und zu unserem Lager nach Tijuana zurückzukehren. Das beunruhigt uns sehr. Sie zwingen uns, früher zurück zu gehen. Sie machen die Situation immer schwieriger, schaffen mehr Hürden.“ Ghalenoeis Worte sind ein deutliches Signal für den Druck, dem das iranische Team ausgesetzt ist. Mohebi stimmte zu: „Die WM ist für uns eine Katastrophe. Wir wollen keine Ausreden bringen, aber es ist kein fairer Wettbewerb.“
Die kommenden Spiele werden zeigen, ob das iranische Team trotz der äußeren Umstände und der politischen Brisanz in der Lage sein wird, sich auf den Sport zu konzentrieren und eine respektable Leistung zu erbringen. Doch eines ist klar: Dieses WM-Turnier ist für den Iran mehr als nur ein Fußballereignis – es ist ein Spiegelbild der komplexen geopolitischen Lage.
