Iran-krieg: handball-star barkhordari kämpft mit sorgen um familie
Saeid Barkhordari, der iranische Torwart von Ademar León, lebt die dramatischen Ereignisse in seinem Heimatland aus der Ferne mit. Die Unsicherheit und Angst um seine Familie überwiegen, so der erfahrene Spieler in einem Gespräch mit EFE.
Die zerrissenheit eines sportlers
Für Barkhordari war es ein Schock, die ersten Nachrichten über die Eskalation des Konflikts zwischen Iran und Israel zu hören. Als Spieler aus Isfahan, einer Stadt, die direkt von den Auseinandersetzungen betroffen ist, hat er die Nachrichten besonders schwer genommen. „Als ich die ersten Nachrichten sah, machte ich mir sofort Sorgen. Es war nichts Neues, denn wir hatten schon früher Konflikte erlebt, auch wirtschaftliche Schwierigkeiten“, erklärt er.
Die Kommunikationsverbindung zu seinem Heimatland wurde abrupt gekappt. Die daraus resultierende Isolation verstärkte seine Besorgnisse, da er keinen Kontakt zu seinen Familienmitgliedern herstellen konnte. Die Nähe zu Ländern wie Afghanistan, Irak und Libanon verschärft die prekäre Situation zusätzlich. Obwohl die Region als „Brennpunkt“ gilt, betont Barkhordari, dass die iranische Bevölkerung keineswegs daran gewöhnt ist, mit Konflikten zu leben. „Im Gegenteil, die Menschen in Iran wollen nur in Frieden leben.“
Die Zerstörung der Heimat
Nach Wochen der quälenden Ungewissheit konnte Barkhordari endlich wieder Kontakt zu seiner Familie aufnehmen. Die Nachrichten, die er erhielt, waren positiv, doch er ahnt, dass nicht die ganze Wahrheit ausgesprochen wird, um ihn zu beruhigen. „Ich habe den Eindruck, dass nicht alles gesagt wird, um mich zu beruhigen. Aber ich weiß, dass das Haus meines Bruders, das sich in der Nähe einer Militäreinrichtung befindet, zerstört ist und auch andere Gebiete verwüstet wurden.“
Während seiner Auszeit fand der Torwart Unterstützung in der Zusammenarbeit mit einem Psychologen aus Deutschland. Die Sitzungen halfen ihm, mit der Situation aus der Ferne umzugehen und sich auf die Informationsbeschaffung zu konzentrieren, ohne sich von ungeprüften Nachrichten überwältigen zu lassen.

Ein neustart in spanien
Barkhordari hat schon lange den Traum gehabt, in einer der besten Handball-Ligen der Welt zu spielen. Seine Verpflichtung durch Ademar León war ein großer Schritt in diese Richtung. Der Weg dorthin war jedoch lang und beschwerlich. Zunächst musste er den Militärdienst in seinem Heimatland ableisten. Erst als Javier Cabanas ihn kontaktierte, zögerte er nicht und wechselte nach Spanien, zunächst zum bescheidenen Verein Santoña. Seine Ankunft in Santoña markierte den Beginn einer neuen Ära, denn er war der erste iranische Spieler in der Liga.
Später folgte der Wechsel nach Guadalajara, wo er mit José Javier Hombrados, einem seiner großen Vorbilder, zusammenspielte. Nach einem Engagement in Katar wurde er von Manolo Cadenas, der ihn bereits bei Länderspielen gegen Iran kennengelernt hatte, nach León geholt. Nach einem zunächst befristeten Vertrag folgte die Verlängerung um weitere drei Spieljahre, die im Juni auslaufen.
„Wenn Ademar und Cadenas anrufen, kann man nicht Nein sagen“, betont Barkhordari. Seine Zeit in León war die längste und glücklichste seiner Karriere. Nun steht der Wechsel zu Bathco Torrelavega bevor, dem nächsten Gegner in einem entscheidenden Spiel für beide Mannschaften im Kampf um die europäischen Ränge.
In seinen letzten Wochen bei Ademar León möchte Barkhordari vor allem dem Team helfen, obwohl die persönliche Situation alles andere als ideal ist. Er will sich mit einem Sieg von seinem Publikum verabschieden und eine weitere glückliche Episode in seiner sportlichen Laufbahn abschließen. Denn eines ist klar: Die Sorgen um seine Familie und die Traumata des Krieges begleiten ihn weiterhin, doch der Handball bleibt ihm ein Anker der Hoffnung und Stabilität.
