Iranerinnen schweigen sich in gefahr: australien droht historisches asyl-drama

Sie standen stumm da, als die Hymne erschallte – und schrieben damit ein Kapitel Sportgeschichte, das jetzt zum geopolitischen Poker wird. Die iranischen Fußballerinnen, die sich in Australien mit ihrem Schweigen gegen das Regime stellten, bangen um ihre Rückreise. Die australische Regierung schweigt bislang zu dem drängenden Anliegen, ihnen Asyl zu gewähren.

Stilles protokoll, laute folgen

0:3 gegen Südkorea, 0:4 gegen Australien, 0:2 gegen die Philippinen – die Zahlen auf dem Platz sind nebensächlich. Entscheidend ist das, was zwischen den Linien geschah. Als die Hymne erklang, blieben 23 Stimmen stumm. Im iranischen Staatsfernsehen wurden die Spielerinnen daraufhin als „Kriegsverräter“ diffamiert. Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs, forderte Canberra nun öffentlich auf, das Team „vor Repressionen zu schützen und jegliche benötigte Unterstützung zu gewähren“. Seine Worte kursieren in den sozialen Netzen unter dem Hashtag #SaveIranGirls.

Der Druck wächst. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International warnen: Bei einer Rückkehr drohen Verhöre, Reiseverbote, möglicherweise Haft. J.K. Rowling twitterte ihren 14 Millionen Followern, man möge die Spielerinnen nicht „dem Schicksal ausliefern, das das Regime für sie plant“. Und auf den Tribünen skandierten australische Fans: „Let them stay!“

Canberra zögert, das team zittert

Noch hat Australien kein offizielles Asylangebot unterbreitet. Intern gäbe es laut Diplomatenkreisen „Prüfungen auf höchster Ebene“. Die Uhr tickt: Das letzte Gruppenspiel ist gespielt, die Koffer sind gepackt, die Heimreise offiziell für Freitag angesetzt. Doch das Flugzeug steht unter Beobachtung. Ein Regierungsvertrecker wollte sich auf Nachfrage nicht festlegen: „Wir kommentieren laufende Einzelfälle nicht.“

Die Spielerinnen selbst äußern sich nur über anonyme WhatsApp-Sprüche. „Wir haben Angst“, schrieb eine Feldspielerin. „Aber wenn wir singen, verraten wir unsere Freunde im Land.“ Diese Angst ist real: Bereits im Oktober wurde Nationalspielerin Zahra Khodayari zu zwei Jahren Haft verurteilt – wegen „Propaganda gegen das System“, nachdem sie sich ohne Hijab im Ausland fotografieren ließ.

Der preis des schweigens

Die australische Regierung steht vor einem Dilemma. Ein deutliches Einlenken könnte die ohnehin angespannten Beziehungen zu Teheran weiter belasten und neue diplomatische Verwerfungen auslösen. Zugleich winkt der innenpolitische Gewinn: Die liberale Basis von Premierminister Albanese drängt auf eine menschenrechtliche Geste. Eine Entscheidung gilt als „Tage, höchstens Stunden“ entfernt.

Sollte Canberra die iranische Mannschaft aufnehmen, wäre es das erste Mal, dass ein Ganzteam während eines Turniers in politisches Asyl überwechselt – ein Präzedenzfall mit Signalwirkung für Athleten aus autoritären Staaten. Die Bürde wäre enorm: 23 Frauen, 23 Schicksale, 23 Lebensentwürfe, die neu beginnen müssten. Doch das Schlimmste wäre die Alternative. Die Heimkehr würde bedeuten, dass ihr stilles Protokoll lauter wird als jede Hymne – nur diesmal mit Handschellen statt Applaus.

Die Zeit läuft ab. Und während die australische Öffentlichkeit auf ein Zeichen wartet, stehen 23 Kickerinnen in Melbourne zwischen zwei Welten: zwischen dem Land, das sie lieben, und dem, das sie jetzt vielleicht retten muss.