Inter stolpert erneut: meisterschafts-traum schwindet in florenz
Ein Schlag in die Magengrube. Inter Mailand rutscht weiter ab, die Serie A kracht. Beim 1:1 in Florenz verspielten die Nerazzurri nicht nur zwei Punkte, sondern auch den letzten Rest Kontrolle über die Titel-Richtung. Sechs Punkte Vorsprung auf den AC Mailand – das klingt nach Polster, ist aber ein Seil, das langsam aber sicher auseinanderfriert.
Die ersten 60 sekunden lügen
Francesco Esposito traf nach 47 Sekunden. Für Inter die perfekte Antwort auf die Negativserie, dachte man. Doch die Antwort war nur ein Bluff. Die Gäste wirkten danach wie ein Orchester ohne Dirigent, die Räume klafften, die Nerven lagen blank. Cher Ndour schlug in der 77. Minute zu. Die Stimmung kippte, die Fiesole-Tribüne explodierte, Inter stand mit leeren Blicken da.
Yann Bisseck, erstmals von Anfang an, wirkte wie ein Fremdkörper im Sturm der Florenzer Flügelzüge. Robin Gosens auf der Gegenseite lief dagegen zur Höchstform auf – ein Schlag ins Gesicht der eigenen Verwaltung, hatte man den Deutschen doch vor zwölf Monaten als „nicht zukunftsfähig“ deklariert.

Der taktik-funken fehlt
Simone Inzaghi wirkte auf der Seitenlinie wie ein Statist, nicht wie ein Regisseur. Dreimal in Folge ohne Sieg – das ist kein Ausrutscher mehr, das ist ein Muster. Die Umstellungen wirken willkürlich, die Dreierkette verliert die Balance, und der sonst so präsente Nicolo Barella schwankt zwischen Übereifer und Orientierungslosigkeit. Der scheinbar komfortable Vorsprung schmilzt, weil keiner mehr die Ruhe ausstrahlt.
Der AC Mailand gewann unterdessen ein Spiel, das schon halb verloren schien. 3:2 gegen Turin, letzte Minute, letzter Atemzug. Der Sieg war ein Statement – und ein Warnschuss für Inter. Die Stadtrivalen riechen Blut.

Die tabelle lügt nie
Fünf Spieltage bleiben. Theoretisch liegt alles im eigenen Greifbereich, praktisch nagt der Zweifel. Wer dreimal nicht gewinnt, wer in Florenz die Zweikampfquote verliert, wer sich von einem 19-jährigen Mittelfeldspieler aus Bremen überrumpeln lässt, der trägt den Meisterpokal nicht nach Mailand, sondern nur noch in die Play-off-Hölle der eigenen Gedanken.
Die Saison ist nicht mehr Inter’s zu verlieren – sie ist Milan’s zu gewinnen. Und die Rossoneri haben bereits gelernt, wie man solche Geschenke annimmt.
