Inter mailand: kann chivu den angeschlagenen kader wieder auf kurs bringen?
Ein Schatten liegt über dem Mailänder San Siro. Die Inter, einst unaufhaltsam auf dem Weg zum Scudetto, hat in den letzten Spielen überraschend Punkte liegen lassen. Filippo Conticello vom „Gazzetta dello Sport“ beleuchtet die psychologischen Herausforderungen, vor denen Trainer Simone Chivu nun steht – und die möglicherweise tiefer gehen als reine Spielform.
Die wm-nachwirkungen und ihre folgen
Die Serie A ist bekannt für ihre dramatischen Endphasen, und die Inter scheint dieses Muster zu bestätigen. Doch diesmal scheinen die Gründe für den Einbruch tiefer zu liegen als übliche Nervosität vor dem Ziel. Die Weltmeisterschaft in Katar hat bei einigen Spielern Spuren hinterlassen, die über die körperliche Erholung hinausgehen. Während einige von der Euphorie der Teilnahme noch beflügelt werden, kämpfen andere mit der Enttäuschung, nicht dabei gewesen zu sein oder ihre Leistung nicht optimal gezeigt zu haben. Besonders Bastoni wirkt belastet, doch die gesamte Mannschaft spürt die Nachwirkungen.
Chivu, der selbst nie die WM erlebte, muss nun ein Meister der Psychologie sein. Er muss die überschäumende Freude der WM-Teilnehmer kanalisieren und gleichzeitig die Wunden derjenigen heilen, die am Rande standen. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die weit über taktische Anpassungen hinausgeht.
Die Zahlen lügen nicht: In den letzten drei Spielen konnte die Inter lediglich zwei Punkte holen – ein alarmierendes Zeichen, insbesondere nach einer beeindruckenden Siegesserie zuvor. Die Mannschaft hatte zuvor 14 von 15 Spielen gewonnen, bevor der Derby-Debakel und die folgenden Ausrutscher alles veränderten.

Calhanoglu als hoffnungsträger und thuram als x-faktor
Ein Lichtblick in der trüben Situation ist Hakan Calhanoglu. Der türkische Spielmacher, der seine Karriere in Mailand neu belebt hat, scheint sich in einer herausragenden Form zu befinden. Chivu setzt auf seine Erfahrung und sein strategisches Geschick im Mittelfeld, um die Mannschaft wieder zu stabilisieren. Die Rückkehr von Lautaro Martínez ist ebenso essentiell, da er nicht nur als Torschütze, sondern auch als moralische Instanz fungiert – seine Bedeutung übersteigt die eines reinen Stürmers.
Ein weiterer Hoffnungsträger ist Marcus Thuram, der seit Dienstag bei der Pinetina trainiert. Bereits vor der Pause hatte das Trainerteam sein Potenzial erkannt und sah in ihm eine Möglichkeit, frischen Wind in die Offensive zu bringen. Seine Dynamik und sein unberechenbarer Spielstil könnten genau das sein, was die Inter benötigt, um die Abwehrreihen der Gegner zu überraschen.
Doch die Vergangenheit lässt sich nicht ungeschehen machen. Die Erinnerung an die enttäuschende Frühjahrssaison 2022/23, als die Inter nach dem Gewinn der Meisterschaft in den letzten Spielen Punkte verschenkte, sitzt tief. Auch die bittere Niederlage gegen die Roma im Frühjahr 2024, die den Weg für den SSC Neapel ebnete, ist noch präsent. Chivu muss diese Dämonen besiegen, um die Mannschaft wieder auf den richtigen Weg zu bringen.
Die bevorstehende Begegnung mit der Roma am Osterfest wird daher zu einem entscheidenden Test. Ein Sieg könnte die Ketten der Negativität sprengen und den Weg zum Scudetto freimachen. Doch die Herausforderungen sind groß, und der Druck ist immens. Simone Chivu steht vor der schwierigsten Aufgabe seiner Trainerkarriere.
