Inter feiert die 21. meisterschaft: der duomo wurde zur nerazzurri-arena

Mailand, 3. Mai, 22.40 Uhr: Der Schlusspfiff von Fabrizio Bonacina lässt San Siro explodieren. 741 Tage nach dem letzten Titel ist Inter zurück auf dem Thron der Serie A – und diesmal soll niemand die Party stoppen.

Der 21. kommt nach hause

Thuram trifft kurz vor der Pause, Mkhitaryan erhöht auf 2:0, und in der 80. Minute zieht der Franzose bereits die Sonnenbrille auf. Die Kurve skandiert „Campioni dell’Italia siamo noi“, die Spieler tanzen im Strafraum, ein riesiges Banner mit der Nummer 21 hängt vor dem zweiten Ring. Es ist dieselbe Zahl, die Präsident Marotta später auf seiner Krawatte trägt – gestickt, dezent, trotzdem ein Schlag ins Gesicht der Rivalen.

Nach dem Abpfiff wird das Spielfeld zur Bühne. Bastoni zuerst vor der Südkurve, Dumfries als Sänger mit ausgebreiteten Armen, Calhanoglus türkische Lieblingsmelodie drohnt aus den Boxen. Die Mannschaft wirft sich in Pose wie ein Verehrer unter dem Balkon – nur steht hier kein Mädchen, sondern eine ganze Stadt.

Vom stadion bis zum dom – die nacht, die mailand eroberte

Vom stadion bis zum dom – die nacht, die mailand eroberte

Der Bus rollt bei Anbruch der Dunkelheit an, umgeben von 74.198 Menschen, die schon vor dem Anpfiff das Scudetto auf die Brust gestickt haben. Aber das ist erst der Auftakt. Kurz nach Mitternacht sperrt die Polizei die Zufahrt zum Piazza del Duomo, weil sich Tausende in Schwarz-Blau zusammenpressen. Fahnen, Bengalos, ein Chor, der die Fenster der Galleria Vittorio Emanuele vibrieren lässt.

Lautaro, Thuram, Dimarco und selbst Zanette steigen auf die Terrazza Duomo 21 – der Name ist Programm – und schwenken das Meisterschild. Darunter tobt ein Ozean, der bis 2 Uhr morgens kein Ende nimmt. Die Stadt schläft nicht, die Spieler auch nicht. Im Hotel nahe San Siro wird schon nach dem Spiel angestoßen, dann zieht die Karawane weiter Richtung Zentrum. Zwischen Dom und Scala wird aus „Wir sind Italiens Meister“ ein Mantra, das sogar die letzten Touri-Handys erstarren lässt.

Die offizielle Kranzübergabe folgt am 17. Mai nach dem letzten Heimspiel gegen Verona. Doch das ist Formsache. Die wahre Feier fand in der Nacht vom 3. Mai statt – 37 Jahre nach dem letzten Titel daheim, unendlich viele Dezibel später, mit einer Nummer, die nun für immer durch Mailand geht: 21.