Inter erstickt im schweigen: krstic-tor nach foul an dumfries, elfmeter verweigert – milano zittert

Ein 1:1, das wie eine Niederlage schmeckt. Nach Schlusspfiff in San Siro herrschte Totenstille, nur das Rauschen der Kameras war zu hören. Kein Wort der Inter-Verantwortlichen, kein Statement, nicht einmal ein Tweet. Die Nerven liegen blank, weil zwei Szenen die Meisterschaft kippen könnten.

Sulemana räumt Dumfries kurz vor dem Ausgleich – Schiedsrichter Marini läuft weiter, Krstic köpft Sekunden später ein. Dann Scalvini gegen Frattesi im Strafraum: Kontakt klar, Elfmeterpfiff bleibt aus. Beide Male VAR-Stille, beide Male Inter-Drama. Trainer Chivu sieht Gelb-Rot, weil er auf dem Platz explodiert. Die Kabinentür knallt, drinnen sitzt die komplette Führung um Marotta, Ausilio, Baccin und Ferri. Keiner wagt den Gang zur Pressekonferenz – Strafenfurcht, Wut, Ohnmacht.

Der tabellenstand lügt nicht

Zwei Punkte liegen Inter vor dem Stadtrivalen Milan, aber die Luft wird dünn. Die restlichen fünf Spiele wirken plötzlich wie ein Endspiel-Marathon. Die Fans diskutieren auf Twitter mit dem Hashtag #RigoreSuFrattesi, Videos der Zweikämpfe kursieren rauf und runter. Die Kurve droht mit Boykott des Auswärtsspiels in Parma, soll die Liga nicht eingreifen.

Der Klub schweigt offiziell, intern brodelt es. Spielerberater wälzen das Regelwerk, Statistiker zählen Schiedsrichter-Fehler gegen Inter seit Januar: fünf direkte Punkteverluste. Die sportliche Leitung fürchtet, dass die Psyche der Mannschaft ins Wanken gerät – genau dann, wenn die Saison auf Messers Schneide steht.

Atalanta reist mit einem Punkt und breiter Brust ab. Gasperini sagt knapp: „Wir haben auch schon gegen zehn Mann gespielt.“ Gemeint ist Chivus Platzverweis, gemeint ist auch: Wir kassieren eure Proteste mit einem Schulterzucken ab.

Milan jubelt im nebenraum

Milan jubelt im nebenraum

Während Inter den Mund verriegelt, feiert Milan die Vorfreude. Pioli ließ sich nach dem 2:0 in Lecce sogar zu einem Scherz hinreißen: „Jetzt brauchen wir nur noch einen Funken Glück – oder besser: einen Funken VAR.“ Die Rossoneri haben das einfachere Restprogramm, Inter muss noch nach Bologna und Bergamo.

Die Meisterschaft wird nicht mehr auf dem Rasen entschieden, sondern in der VAR-Kabine. Und niemand weiß, ob das Schweigen von Inter morgen noch gilt oder ob es brüllend zurückkommt – mit Anzeigen, mit Videobeweis, mit dem Druck der Öffentlichkeit. Eines ist sicher: Die Liga kann sich eine weitere Schiedsrichter-Debatte in der heißen Phase nicht leisten. Die Fans aber kriegen sie jetzt auf dem Silbertablett serviert.

Am Ende bleibt eine Zahl: 75 Punkte. So viele hat Inter nach 29 Spielen – genau wie Milan 2009/10 vor dem Finaleinbruch. Die Geschichte wiederholt sich, nur das Drama findet diesmal im Hinterzimmer statt.