Ingolstadt trennt sich sofort von beiersdorfer – wittmanns team stolpert richtung abstieg
Es ist vollbracht: Nach viereinhalb Jahren, zwei Spieltagen vor dem Saisonende und mitten im Abstiegskampf der 3. Liga trennen sich der FC Ingolstadt und Geschäftsführer Dietmar Beiersdorfer mit sofortiger Wirkung. Die Mitteilung kam am Montagmittag, knapp, fast schon kühl – und doch steckt dahinter eine Geschichte voller Hoffnungen, Krisen und zuletzt schlichter Ernüchterung.
Ein abschied, der schon in der luft lag
Der 62-Jährige hatte den Klub im November 2021 als Sport-Geschäftsführer übernommen, seit Sommer 2022 als alleiniger Manager an der Spitze. Was damals als Neuanfang nach dem verpassten Wiederaufstieg 2020/21 galt, endet mit Platz 15 und nur zwei Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang. „Offene Gespräche über die zukünftige Ausrichtung“, so die offizielle Begründung, hätten zu dem einvernehmlichen Knick geführt. Doch hinter den Kulissen sickerte seit Wochen durch: Präsident Peter Jackwerth und Teile des Aufsichtsrats hatten die Geduld verloren.
Jackwerth formuliert es in der Pressemitteilung höflich: „Die Entwicklung hat sich zuletzt nicht wie erhofft dargestellt.“ Für Insider heißt das: Die sportliche Talfahrt seit Jahresbeginn, die desolate Heimbilanz (nur zwei Siege aus den letzten zehn Partien in der Audi-Sportpark-Arena) und die fehlende Perspektive für den Kader haben die Balance endgültig kippen lassen. Die Verantwortung dafür trägt letztlich der Geschäftsführer – und der muss gehen, bevor die Lizenz für die kommende Spielzeit auf dem Prüfstand steht.

Beiersdorfer nimmt den schicksalsschlag mit humor
Der gebürtige Oberösterreicher selbst zeigt sich trotz des Rauswurfs gelassen: „Diese Zeit war sehr prägend, der Klub ist mir ans Herz gewachsen.“ Man habe gemeinsam Strukturen geschaffen, die „für die Zukunft Bestand haben“. Welche Strukturen genau, darüber schweigt er. Fakt ist: Die Gehaltsmaschine Ingolstadt ist seit dem Bundesliga-Abstieg 2017 ein Fass ohne Boden. Die Lizenzauflagen der DFL wurden in den vergangenen Jahren nur dank Nachschüssen eines stillen Investors erfüllt. Beiersdorfers Job war es, dieses Modell zu stabilisieren – und gleichzeitig sportlich wieder nach oben zu führen. Beides gelang nur halb.
Was jetzt? Der FCI kündigt „eine neue Ausrichtung“ an, will sich in Sport, Finanzen sowie Vertrieb & Öffentlichkeitsarbeit „neu aufstellen“. Das klingt nach einem harten Schnitt. Intern kursieren bereits Namen für die Nachfolge: Michael Henke, einstiger Bayern-Co-Trainer und langjähriger Manager in Fürth, sowie Jörg Schmadtke, der nach seinem Wolfsburg-Aus eigentlich Pause machen wollte. Ob einer von beiden die Ruine Audi-Sportpark retten kann, ist offen. Erste Weichenstellung: Die Lizenzunterlagen müssen bis 15. Mai bei der DFL liegen, die Kaderplanung für 2026/27 steht still.

Wittmanns team steht vor der schicksalsspielzeit
Betrachtet man die Zahlen, wird klar, warum die Führung handelte. Seit dem Bundesliga-Intermezzo 2016/17 verbrachte Ingolstadt sechs der sieben folgenden Jahre in der 3. Liga. Die einzige Ausnahme: 2021/22, als der Aufstieg in die 2. Bundesliga gelang – und danach sofort wieder der Absturz folgte. Die aktuelle Saison ist die vierte in Serie auf diesem Niveau, die Zuschauerzahlen schrumpfen, der Etat stagniert bei rund 12 Millionen Euro. Für einen Traditionsstandort, der einmal mit Bundesliga-Ambitionen kokettierte, ist das ein Armutszeugnis.
Trainerin Sabrina Wittmann erhält nun den zweiten Chef in ihrer Amtszeit. Ihr Vertrag läuft 2027, doch der Ruf nach dem regionalen Lieblingsfeind Stefan Leitl wird lauter. Die Mannschaft reagierte auf die Trennung betreten: „Wir sind geschockt, aber wir haben noch zwei Finals“, sagt Kapitän Maximilian Wolfram mit Blick auf die Partien gegen Dortmund II und den HFC. Sechs Punkte würden wohl retten, vier könnten bei dem engen Klassement auch genügen. Die Rechnung ist simpel: Wer am 38. Spieltag unter dem Strich steht, muss nicht nur den sportlichen, sondern auch den wirtschaftlichen Abstieg fürchten.
Am Ende bleibt ein Fazit, das so schonungslos ist wie selten: Beiersdorfer verlässt einen Klub, der sich selbst überlebt hat. Die Infrastruktur ist top, die Akademie arbeitet vorzeigbar, doch die sportliche Leitung lieferte seit Jahren nur Lippenbekenntnisse. Nun richtet sich der Blick auf den 17. Mai – dann steht Ingolstadt entweder als Retter oder als Absteiger da. Die Entscheidung fällt auf dem Rasen, nicht im Büro. Und sie fällt ohne Dietmar Beiersdorfer.
