Influencer-boom: sportmarkt explodiert – ernährungswissenschaftler verlieren an bedeutung

Der italienische Sportmarkt erlebt einen fulminanten Aufschwung, angetrieben von einer neuen Macht: Influencern. Während der Markt für Nahrungsergänzungsmittel auf über neun Milliarden Euro bis 2031 schossen soll, sehen sich traditionelle Ernährungswissenschaftler zunehmend verdrängt. Ein Trend, der sich gerade beim Gran Fondo Radrennen in San Benedetto del Tronto deutlich abzeichnete.

Die schattenseite des erfolgs: kommerzielle interessen

Die schattenseite des erfolgs: kommerzielle interessen

Professor Marco De Angelis, Ernährungswissenschaftler und Experte für Ausdauersport, warnt vor den Auswirkungen des wachsenden Einflusses von Social-Media-Stars. „Der kommerzielle Druck auf die Ernährung von Athleten ist enorm geworden“, so De Angelis. „Er beeinflusst die Entscheidungen von Sportlern und Ernährungswissenschaftlern gleichermaßen und führt zu einer Art Wettlauf um die neuesten, vermeintlich besten Produkte.“ Dabei bleibe der eigentliche Nutzen oft auf der Strecke – es entstehe vielmehr ein Placebo-Effekt.

Die Zahlen untermauern diese Beobachtung: Italien gehört zu den größten europäischen Märkten für Nahrungsergänzungsmittel, mit einem Anteil von 26% des gesamten europäischen Umsatzes. Deutschland und Frankreich hinken mit 19% bzw. 15% hinterher. Parallel dazu wächst die Zahl der Influencer, die im Bereich Sport und Ernährung tätig sind, auf schätzungsweise 40.000 in Italien an – mit einem Umsatz von 550 Millionen Euro.

Doch inmitten dieses Booms gibt es eine Überraschung: Das bewährte Bicarbonat bleibt im Verborgenen. Obwohl es von Experten wie De Angelis für Sportler, die an ihre Leistungsgrenzen gehen, als wirksam erachtet wird, konnte es sich im kommerziellen Bereich nicht durchsetzen. „Es ist ein Produkt, das trotz seines Nutzens in Vergessenheit geraten ist“, bedauert De Angelis.

Die Entwicklung zeigt deutlich, dass im Sport, wie in vielen anderen Bereichen, der Populismus regiert. Während die Nachfrage nach Proteinen und Vitaminen ungebrochen ist, werden traditionelle, wissenschaftlich fundierte Ansätze oft von kurzlebigen Trends überschattet. Die Frage ist, ob dieser Fokus auf kurzfristige Gewinne langfristig dem Wohl der Athleten dient.

Die europäischen Forschungsinstitute prognostizieren ein weiteres Wachstum des Marktes für Nahrungsergänzungsmittel im Sportbereich, wobei die Summe von 10 Milliarden Euro bis 2031 erreicht werden soll. Es bleibt abzuwarten, ob sich in diesem dynamischen Umfeld auch Raum für bewährte, aber weniger spektakuläre Produkte wie Bicarbonat findet.