Infantinos trump-preis lässt die fifa erzittern – norwegen zieht den vorhang

Ein Friedensgürtel, der wie ein TNT-Zünder wirkt: Gianni Infantinos Kurzschluss, Donald Trump im Dezember bei der WM-Auslosung mit einem selbst erfundenen „Friedenspreis“ zu überhäufen, spaltet den Weltverband bis ins Mark.

Der norwegische Verband um Präsidentin Lise Klaveness stempelt die Aktion als Dammbruch der politischen Neutralität und klinkt sich offiziell in die Ethik-Beschwerde der Menschenrechtsgruppe FairSquare ein. „Wir schreiben der FIFA und fordern die Ethikkommission auf, das Verfahren zu eröffnen“, sagte Klaveness am Montag in Oslo.

Kein kongress, keine legitimität – aber eine goldene trophäe

Der Preis existiert nur auf Infantinos Wunschzettel. Kein FIFA-Kongress hat ihn beschlossen, keine Jury wurde benannt, nicht einmal der Exekutivrat war laut The Athletic informiert. „Er liegt außerhalb jedes Mandats“, so Klaveness. „Wer einen politischen Preis erfindet, ohne ihn zu verankern, verstößt gegen die eigenen Statuten.“

FairSquare zitiert Artikel 15 des FIFA-Ethikkodex: Funktionäre müssen „politisch neutral“ bleiben. Verstöße kosten bis zu zwei Jahre Sperre oder saftige Geldstrafen. Infantino selbst schweigt bisher – ein Vorsitzender, der seinen eigenen Klub ins Kreuzfeuer geraten lässt.

Trump-preis als brandbeschleuniger

Trump-preis als brandbeschleuniger

Die Bilder von Infantino und Trump, Hand in Hand vor dem gläsernen Pokal, gingen um den Globus. Für viele Verbände war das der Moment, in dem Sport und Wahlkampf unterschiedslos verschmolzen. Klaveness: „Wir müssen aufpassen, dass die FIFA nicht zur Nebenbühne geopolitischer Inszenierungen verkommt.“

Die Ethikkommission hat die Beschwerde erhalten, ein Prüfverfahren läuft. Sollte sie gegen Infantino ermitteln, wäre es der zweite Fall in seiner Amtszeit, der ihn selbst treffen würde – statt einstiger Funktionäre, die er aus dem Amt kegelte.

Die FIFA steht zum zweiten Mal binnen fünf Jahren am Abgrund zwischen Machtanspruch und Glaubwürdigkeit. Diesmal hat der Präsident keinen Schuldigen in den eigenen Reihen, sondern sich selbst ans Bein gefasst.