Infantinos 48er-wette: schon wieder geschichte vor dem ersten kick?
104 Spiele, 48 Teams, zwölf Stadien – und eine Erkenntnis, die sich wie ein Virus verbreitet: Die FIFA-WM 2026 könnte das erste und letzte Turnier dieses Formats bleiben. Eine Konstruktion aus Kontinentalpolitik, Geldbörsen und schlafenden Tabellenrechnern.
Die geburt eines zahlenmonsters
2015, Zürich. FBI-Agenten führten Funktionäre in Handschellen aus dem Baur au Lac. Dieselbe Stunde, in der Gianni Infantino seine Machtprobe begann, sollte das Turnier wachsen. Drei Jahre später: 48 Teams. Die Rechnung lautete: Mehr Verbände, mehr Stimmen, mehr Schweigegeld für Reformen, die kurz darauf wieder gekippt wurden.
Die Folge: zwölf Vierergruppen, 72 Vorrundenspiele – mehr als die gesamte WM 2014. 16 Teams scheiden trotzdem aus. Das bedeutet: Jeder dritte Teilnehmer fliegt nach Gruppenphase, aber nur nachdem er drei Spiele absolviert hat. Ein kolossaler Aufwand für eine Minimalbelohnung.

Die neue qual: 495 kombinationen für acht plätze
Die acht besten Gruppendritten rücken nach. Die FIFA brauchte 18 Seiten Din-A4, um alle Möglichkeiten aufzulisten. Drei Punkte und ein halbwegs ausgeglichenes Torverhältnis reichen meist. Albanien 2.0 wartete bei der EM Tage im Trainingslager – und durfte dann nach Hause. Ein Netz aus hypothetischen Tabellen, das Fans in WhatsApp-Gruppen zerfasern.
Der Spielplan wird zur Mathe-Aufgabe. Wer spielt wann wo? Wer trifft im Achtelfinale auf wen? Die Antwort liegt in Excel-Sheets, nicht mehr im Fußball.

Der nächste deal steht schon
CONMEBOL-Chef Alejandro Domínguez trommelt für 64 Teams 2030. Südamerika will die Jahrhundert-WM als Megafestival, nicht als Fußballturnier. 128 Spiele. Eine komplette Bundesliga-Saison in vier Wochen. Die Logik: Wer 48 Teams erträgt, schluckt auch 64. Infantino lacht, weil er weiß: Seine Wähler zählen keine Spiele, sie zählen Dollar.
Europa murrt, aber murrt leise. Die UEFA schärft bereits ihre Qualifikationsstruktur. Vorbereitung nennt man das. Kein Widerstand, nur Verzögerung.
2026 war gedacht als Probelauf. Jetzt wirkt er wie eine Fußnote. Das einzige Turnier mit 48 Teams? Wahrscheinlich. Weil 64 schneller kommen, als der erste Gruppendritte seine Koffer packt.
