Indian wells: sinner jagt den nächsten sieg, djokovic wacht auf
Am fünften Turniertag in der kalifornischen Wüste schlägt die ATP-Tour einen neuen Rhythmus ein: Jannik Sinner marschiert weiter, Novak Djokovic rüttelt sich wach und ein einziger Blauer trägt die italienische Fahne – allerdings nur bis zur zweiten Runde.
Darderi verliert den faden, hijikata zieht davon
Luciano Darderi kam als letzter Azzurro auf den Court 5, verließ ihn aber mit hängenden Schultern. Nach 2:04 Stunden stand eine 4-6, 6-2, 6-4-Niederlage gegen den Australier Rinky Hijikata fest. Der 23-jährige aus Sydney hatte bereits Francesco Maestrelli ausgeschaltet, nun auch den 22-jährigen Rom. Darderi zeigte eine Achterbahn: fünf Games in Folge im ersten Satz, dann nur noch Lücken. Hijikata lag fast durchgehend vorne, sein Service-Plus (elf Asse, 68 % First-Serve) verdonnerte jeden Rebreak. Die Statistik ist gnadenlos: Darderi gewann nur 42 % der Punkte auf Hijikatas erstem Aufschlag – Todesstoß auf Hardcourt.
Die härteste Oberfläche der Welt bleibt ihm verwehrt. Drei seiner vier letzten Turniere bestritt er auf Sand, wo seine Topspin-Forehand ein Geschoss ist. In der Wüste wird sie zur Bogenlampe. „Ich habe versucht, aggressiver zu returnieren, aber er hat mich nie zur Ruhe kommen lassen“, sagte Darderi nach dem Match. Die Saisonbilanz bleibt positiv (8:4), doch beim ersten Masters-1000-Auftritt 2026 hieß es wieder: Frühstündchen.

Alcaraz lässt dimitrov alt aussehen
Während Darderi sinniert, jagt Carlos Alcaraz Rekorde. Der 20-jährige Spanier feierte in der Nacht zum Samstag seinen 13. Sieg im 13. Match dieses Jahres – und das mit einem 6-2, 6-3-Solo gegen Grigor Dimitrov. Der Bulgare, 35, wirkte wie ein Spielzeugauto mit leerem Akku. Alcaraz' Sprintweite im ersten Satz: 1.100 Meter, mehr als jeder andere Spieler an diesem Tag. Sein Geheimnis? „Ich spüre den Ball früher als die anderen“, sagt er, und die Zahlen geben ihm recht: 14 Winner bei nur neun unerzwungenen Fehlern. Der Weltranglistenerste trifft nun auf Arthur Rinderknech, der gegen Alejandro Davidovich Fokina den fünften Matchball wegsteckte.

Djokovic schüttelt den rost ab
Zwölf Wochen nach seiner Australian-Open-Finalniederlage stand Novak Djokovic erstmals wieder im Scheinwerferlicht. Der 38-Jährige startete wie ein Auto im Winter – zögernd, kalt. Kamil Majchrzak nutzte die Phase, nahm ihm dreimal den Aufschlag ab und gewann Satz eins mit 6-4. Dann schaltete Djokovic den Modus „Heritage“: 6-1, 6-2 in 71 Minuten. Der Serbe erlaubte sich im Rest des Matches nur noch sieben Fehler, seine Return-Quote stieg von 29 % auf 56 %. Mit 419 Triumphen in Masters-1000-Events ist er alleiniger Rekordhalter – und der älteste Spieler, der in Indian Wells die Runde der letzten 32 erreicht. Gegen Alex Kovacevic wartet nun der US-Boy, der als Qualifikant Sebastian Korda ausknockte.
Die Wüste kocht. Sinner steht am Sonntag gegen Denis Shapovalov auf dem Plan, Djokovic darf die Nacht nutzen, um die Beine zu entölern. Und Darderi? Der fliegt nach Phoenix, wo Challenger-Punkte auf Sand winken. Die Saison ist jung, aber Indian Wells verlangt seine Tribut – und zwar sofort.
