Ilzer schickt hoffenheim mit breiter brust gegen leipzig in die schlagerei
50 Punkte, Platz drei, eine Woche vor dem Derby – und Trainer Christian Ilzer trotzdem ohne jede Lust auf Rechnen. „Wir wollen RB vor Probleme stellen“, donnert der 48-Jährige, bevor er den Satz mit einem schiefen Grinsen versieht: „Leipzig soll spüren, dass sie nicht einfach durchmarschieren kann.“
Avdullahu fällt aus – ilzer muss umbauen
Die Personalie, die seine Laune trübt, trägt den Namen Leon Avdullahu. Der kosovarische Nationalspieler zog sich am Mittwoch im Training eine Adduktorenverletzung zu, fällt „mehrere Wochen“ aus und fehlt damit sowohl gegen RB als auch im WM-Play-off in der Slowakei. „Er war unsere Schnittstelle zwischen Defensive und Mittelfeld, ein Ballmagnet mit Vorwärtsimpuls“, sagt Ilzer und schlägt mit flacher Hand auf die Tischplatte. „Wir müssen die Lücke kollektiv schließen, nicht mit Ersatz, sondern mit neuer Dynamik.“
Die Lösung? Ilzer testete gestern erstmals ein 4-1-4-1 mit Grillitsch als alleiniger Sechser und Baumgartner hinter der Spitze. Die Auffälligkeit: Die Umschaltbewegung soll noch schneller erfolgen, Leipzig beim ersten Ballverlust sofort in die eigere Hälfte drängen. „Wir wollen sie erdrücken, nicht nur ärgern“, erklärt Kapitansvertreter Kevin Vogt.

Die tabelle lügt nicht – und sprachlos macht sie auch nicht
Drei Punkte Vorsprung auf Rang fünf, das klingt nach Polster. Doch Ilzer schüttelt nur den Kopf, als man ihn auf die mögliche Entscheidung im Rennen um die Königsklasse anspricht. „Die Meisterschaft ist für RB intern kein Fremdwort, das weiß jeder. Aber wir haben nicht vor, nur Zuschauer zu sein.“ Die Zahlen geben ihm recht: Hoffenheim erzielte in den letzten zwölf Partien 28 Tore – mehr als jeder andere Klub außer Bayern. Die Schwächephase nach der Winterpause scheint überwunden.
RB-Coach Marco Rose kontert mit der Heim-Bilanz: „In der Red Bull Arena haben wir gegen die TSG seit zwei Jahren nicht verloren.“ Fakt, aber mit Fußnote. Beide Aufeinandertreffen in dieser Saison endeten mit Platzverweisen – ein Indikator für die hitzige Rivalität. Schiedsrichter Sascha Stegemann wird am Freitag besonders gefordert sein.

35 Grad, 66 prozent luftfeuchte – das thermometer wird zum gegner
Der Wetterdienst warnt vor einer „subtropischen Phase“. 20:30 Uhr Anstoß, 25 Grad Außentemperatur, gefühlte 35 auf dem Rasen. Ilzer: „Wir haben die letzten Tage mit zusätzlichen Laufeinheiten bei Sonne trainiert, um die Jungs an die Hitze zu gewöhnen. Wer zu spät kommt, verliert den Rhythmus – und damit die Punkte.“ Leipzig plant offenbar mit Wechselbad-Trick: Das Stadion soll erst zwei Stunden vor Anpfiff komplett verschlossen bleiben, um die Klimaanlage maximal zu nutzen.
Für die Fans beginnt die Reise schon am Nachmittag. 3.000 Hoffenheimer machen sich auf den 440-Kilometer-Trip, trotz Ferienbeginn und Baustellen auf der A9. „Die wollen sehen, dass wir die Grenzen ausloten“, sagt Ilzer. „Und genau das werden sie sehen.“
Am Ende bleibt ein Satz, den Ilzer vor die Kabinentür klebt: „Wenn wir nach 90 Minuten mit leerem Tank und dreifachen Punktgewinn in die Kabine stapfen, war es ein guter Tag.“ Keine Rhetorik, kein Pathos – nur reine Fußball-Arithmetik. Leipzig wird rechnen müssen.
