Ilary blasi eröffnet die luxuriöste glaskugel italiens

Die Ampel springt auf Rot. 200 Kameras schwenken durch Neon-Licht. Ilary Blasi tritt in High Heels über die Stahlluke, und die große Show beginnt – nicht im Stadion, sondern im Wohnzimmer der Nation. Am 17. März startet Grande Fratello Vip auf Canale 5, und diesmal sitzt die Moderatorin wieder am roten Knopf, nachdem sie 2016-2018 die Quoten in die Höhe schnellte.

Die promis, die italien heute nacht nicht schlafen lassen

Geheimnis Nummer eins: Die Kandidaten sind schon drin. Seit Tagen kreisen Drohnen über der Villa in Rom, wo einst Mussolini Politik machte. Nun zieht seine Enkeltochter Alessandra Mussolini ein – begleitet von Antonella Elia, der Frau, die 2001 im Dschungelcamp einen Satz über Spaghetti losließ und nie wieder aus den Talkshows verschwand. Dazu Paola Caruso, Ex-Letterina di «Striscia la Notizia», und der TikTok-Rapper GionnyScandal, dessen letzter Hit in zwei Wochen 30 Millionen Klicks sammelte.

Die Produktion zahlte diesmal 40 % mehr Sicherheitskräfte. Warum? Weil Adriana Volpe und Raimondo Todaro im selben Pool wohnen – ein TV-Ehepaar, das sich 2019 vor laufender Kamera trennte. Die Redaktion rechnet mit dem ersten Flirt-Skandal nach maximal fünf Tagen, kalkuliert mit 25 % mehr Werbeblöcken und hat bereits einen Notfall-Spot für Schokolade gebucht, falls wieder jemand weint.

Die Quote wird entscheiden. 2018 kratzte das Finale an 7 Millionen Zuschauer. Netflix schickt heute gleich drei Dokumentationen gegen, doch Mediaset setzt auf altbewährte Live-Sehnsucht. Die Werbeeinnahmen der ersten Woche sind bereits verkauft: 120 000 Euro für 30 Sekunden, so viel wie bei einer Champions-League-Nacht.

Warum das format morgen schon wieder anders aussieht

Warum das format morgen schon wieder anders aussieht

Der Trick: Jede Nacht schneidet ein interner War-Room die besten Szenen zusammen, am Morgen geht das Material an die Social-Media-Redaktion, am Abend liegt das Netz goldrichtig. TikTok-Clips mit Hashtag #GFVIP sammelten in der Testphase 50 Millionen Aufrufe – ohne dass eine einzige Folge gesendet war. Die Zielgruppe ist 15-34, genau die, die sonst nie mehr ins lineare Fernsehen schaut.

Ilary Blasi weiß das. Sie liest keine Teleprompter mehr, sie improvisiert, wirft Blicke in die Kamera, als wüsste sie, dass das Foto morgen auf dem Instagram-Account ihrer 4,2 Millionen Follower landet. Die Moderatorin verlangte zudem eine Klausel: Kein Schnitt, wenn sie lacht. Das klingt nach Glamour, ist aber Strategie. Ihr Lachen trendete 2017 auf Twitter – und bescherte dem Sender eine Quote von 30 %.

Wer gewinnt? Keine Ahnung. Die Buchmacher nennen Alessandra Mussolini mit 3,5 : 1 die Favoritin, weil sie polarisiert. Doch die echte Wette läuft außerhalb des Hauses: Ob Italien nach zwei Jahren Pandemie wieder Lust auf gemeinsames Gucken hat. Die Antwort kommt um 23:15 Uhr, wenn die erste Werbung läuft und das Land für fünf Minuten den Atem anhält. Dann entscheidet sich, ob das Fernsehen noch groß genug ist – oder ob die Glaskugel nur noch ein Museum ist, in dem ein paar Promis ihr Image polieren. Die Einschaltquote liegt bei 3,2 Millionen. Alles darüber ist Gewinn, alles darunter ein Erdbeben. Die Kamera läuft. Die Show beginnt. Und keiner darf wegschauen.